Vor zwei Wochen berichtete der Generalanzeiger Bonn über die Auslastung der vier Fahrradparkhäuser, die vor zweieinhalb Jahren am Bahnhof Beuel, am Konrad-Adenauer-Platz, am Frankenbad und am Stiftsplatz gebaut wurden. In Teilen der Bonner Politik wurde daraufhin Unmut über die geringe Auslastung geäußert. Aber ist das gerechtfertigt?
Ein Blick auf die Zahlen
Schauen wir uns die Zahlen einmal an: Die Stadtverwaltung hat Auslastungszahlen jeweils für den Monat März veröffentlicht:

Der Generalanzeiger hat darüberhinaus eine Stichprobe zur Auslastung über die Bonnmobil-App (dort kann man die aktuelle Auslastung einsehen) durchgeführt, wahrscheinlich am Freitag, den 17.04. Für diesen Artikel hier habe ich ebenfalls eine Stichprobe gezogen und zwar am Mo, den 04.05.2026 um 20:00 Uhr. Die Auslastungszahlen dieser Stichprobe ähneln sehr der Stichprobe des Generalanzeigers. Dies deutet darauf hin, dass die GA-Stichprobe kein Ausreißer war. Eventuell lässt sich daraus die Vermutung ableiten, dass viele Dauerparker die Parkhäuser nutzen.

Die Gesamtauslastung über alle vier Parkhäuser hinweg liegt zum Zeitpunkt der Stichprobe bei 120 von 280 Stellplätzen und damit bei knapp 43%.
Ist das jetzt wirklich schlecht?
Die teils geäußerte Einschätzung, dies wären schlechte Zahlen, kann ich nicht so recht teilen. Die Gründe hierfür sind meiner Meinung nach eine evtl. falsche Erwartungshaltung, die Unbekanntheit der Parkhäuser sowie die unnötig komplizierte Benutzung. Diese drei Gründe möchte ich nacheinander erläutern.
Falsche Erwartungshaltung?
Wie viel Prozent Auslastung sind denn gut? Wir haben vor einigen Jahren die Auslastung der Bonner Auto-Parkhäuser getrackt und ausgewertet. Die Friedensplatzgarage z.B. ist unter der Woche (montags bis donnerstags) im Schnitt zu 63% belegt – oder andersrum gesagt: zu mehr als einem Drittel frei. Trotzdem hält sie niemand für überdimensioniert.
Es kann niemand ernsthaft eine Auslastung von 100% (oder nahe daran) erwarten. Wäre das der Fall, wäre das Parkhaus deutlich zu klein dimensioniert.
Das soll nicht heißen, dass die Auslastung der Fahrradparkhäuser gut ist. Aber die Zahlen bedürfen einer Einordnung bezüglich einer Erwartungshaltung. Das Fahrradparkhaus am Beueler Bahnhof z.B. sollte aus meiner Sicht möglichst oft freie Plätze haben, damit Menschen, die ankommen, ihr Fahrrad parken und mit dem Zug weiterfahren möchten, dies auch wirklich tun können.
Unbekanntheit und schlechte Ausschilderung
Ehrlich gesagt überraschen mich die Auslastungszahlen der Fahrradparkhäuser fast positiv. Es gibt im Bonner Straßenraum praktisch keine Hinweise darauf, dass diese Fahrradparkhäuser existieren. Klar, es gibt Webseiten. Was aber völlig fehlt, ist eine Ausschilderung. Radelt man nicht zufällig an einem der Parkhäuser vorbei, gibt es überhaupt keine Schilder, die einem Radfahrenden den Weg dorthin weisen. Für mich ist das insbesondere ein wichtiger Punkt, weil wir für Autoparkhäuser unzählige Schilder und dynamische Anzeigetafeln mit der aktuellen Anzahl freier Parkplätze in der Stadt aufstellen – für die vier Fahrradparkhäuser hingegen reicht es nicht mal für einen einzigen Wegweiser. Selbst die an jedem Autoparkhaus obligatorische Anzeige „frei / belegt“ gibt es bei den Radparkhäusern nicht.
Man kann nicht erwarten, dass der Fahrradparkverkehr in die Parkhäuser gelenkt wird, wenn man den Radlern nicht den Weg dorthin weist. Wie es gehen kann, zeigt z.B. Utrecht. Dort gibt es nicht nur auf den wichtigen Radrouten Wegweiser zu den nächstgelegenen Parkhäusern, sondern auch ein Parkleitsystem – genauso wie wir es vom Autoverkehr kennen. Ich bin überzeugt: Ein paar Wegweiser zu den Fahrradparkhäusern an den nahegelegenen Hauptradrouten, eine Anzeige der freien Plätze am Parkhaus – und schon steigt die Auslastung an.


Komplizierte Benutzung
Der wichtigste Aspekt, der meiner Meinung nach die Auslastung steigern kann, ist eine Vereinfachung der Benutzung der Parkhäuser. Bisher ist das Parken dort extremst kompliziert:
- Es muss eine App installiert werden.
- In der App muss ein Konto angelegt werden.
- Es muss eine E-Mail-Adresse angegeben und per PIN, die per Mail zugeschickt wird, verifiziert werden.
- Die Handynummer muss per PIN, die per SMS zugeschickt wird, verifiziert werden.
- Es muss eine Bezahlmethode eingerichtet werden.
Nach diesen fünf Schritten darf man endlich einen Stellplatz buchen und parken.
Ich denke, es ist sofort deutlich: Für Dauerparker mögen die Parkhäuser eine Option sein. Für Gelegenheitsparker sind sie aktuell völlig wertlos. Insbesondere wenn man sich den Vergleich zu einem Autoparkhaus anschaut (Vorfahren, Ticket ziehen, Parken), wird offensichtlich, wie absurd kompliziert die Benutzung der Bonner Fahrradparkhäuser ist. Ich weiß aus dem Bekanntenkreis, dass die komplizierte Benutzung Menschen davon abhält, die Parkhäuser zu verwenden.
Dabei könnte es so einfach sein: Vorfahren, Kreditkarte / Smartphone vorhalten und bezahlen, Tür geht auf, parken. Warum das nicht geht, ist mir ehrlich gesagt unbegreiflich.
Man kann nicht erwarten, dass der Radverkehr Parkhäuser verwendet, die eine Viertelstunde Stellplatzbuchung erfordern. Ich vermute, dass die Parkhäuser aktuell überwiegend von Dauerparken verwendet werden. Darauf deutet auch hin, dass der GA und ich an zwei unterschiedlichen Tagen sehr nah beieinanderliegende Auslastungszahlen ermittelt haben. Wie hoch mag die Auslastung werden, wenn auch Gelegenheitsparkern die Nutzung der Parkhäuser ermöglicht wird?
Fazit: Der Weg zu mehr Auslastung ist klar!
Die Auslastung der Bonner Fahrradparkhäuser ist noch nicht da, wo sie sein sollte. Aber sie steigt Jahr für Jahr an – und das völlig ohne Ausschilderung und trotz umständlichster Benutzung. Die Rahmenparameter sind denkbar schlecht – und trotzdem steigt die Auslastung. Das finde ich eigentlich eine recht positive Botschaft!
Was zu tun ist, ist aus meiner Sicht offensichtlich: Es müssen Wegweiser an die viel befahrenen Radrouten! Insbesondere das Parkhaus am Konrad-Adenauer-Platz steht abseits jeder vielbefahrenen Radroute. Kein Wunder, dass dort die Auslastung am Geringsten ist. Außerdem muss eine einfache Bezahlmöglichkeit – z.B. durch Vorhalten des Smartphones – eingebaut werden.
Wenn die Auslastung dann immer noch schlecht sein sollte, können wir gern über den Bedarf an Fahrradparkhäusern reden.


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