Autor: Steffen

  • Bonner (Rad-) Verkehrsnews September 26

    Bonner (Rad-) Verkehrsnews September 26

    07.09.26 In seiner heutigen Ausgabe analysiert der General-Anzeiger die städtischen Zahlen für den Schwerlastverkehr. Dieser ist auf der Oxfordstraße zwischen März und Juni um 66 % von 986 (davon wahrscheinlich ca. 500 – 600 Busse) auf 1.633 Fahrzeuge pro Tag gestiegen. In der Kölnstraße beträgt das Plus 45 % (von 629 auf 912), in der Römerstraße plus 68% (von 436 auf 732) und auf der St.-Augustiner-Straße plus 158 % (von 487 auf 1.258). Spannend an der Analyse ist auch der Vergleich mit dem Mai, als die Nordbrücke zwar für den Schwerlastverkehr, nicht aber für Pkws gesperrt war. Zu diesem Zeitpunkt waren die Staus in der Stadt noch nicht so intensiv, was viel Lkws dazu gebracht hat, durch die Stadt auszuweichen. 924 Lkw sind auf der Kölnstraße, 942 auf der Römerstraße und 1.985 Lkws auf der St.-Augusteiner-Straße gezählt worden. Das ist deutlich mehr, als im Juni. Durch die jetzige Stausituation ist es für den Schwerlastverkehr scheinbar attraktiver, weiträumige Umleitungen zu nutzen und Bonn zu meiden. Leider liegen keine Zahlen für die Reuterstraße vor. Möglich ist auch, dass sich der Schwerlastverkehr aus der Innenstadt seit Juni zu Teilen dorthin verlagert hat.

    02.09.26 In einer Mitteilungsvorlage für den Mobilitätsausschuss am 15.09.26 teilt die Task Force mit, den Linksabbieger vor dem Stadthaus vorerst nicht zu sperren. Der Ratsbeschluss vom 13.07.26 wird bezüglich des Linksabbiegers von der Oxfordstraße Richtung Florentiusgraben vorerst nicht umgesetzt. Die Abbiegemöglichkeit wird oft für einen U-Turn von Fahrzeugen, die aus der Wilhelmstraße gekommen sind, in Richtung Kennedybrücke genutzt. Nach unseren Beobachtungen wird hier häufig der Straßenbahn-, Auto-, Rad- und Fußverkehr von Linksabbiegenden blockiert. Interessant ist, dass die Verwaltung mitteilt, einen Ratsbeschluss nicht auszuführen (dürfen die das?).

    01.09.26 General-Anzeiger (Printausgabe) zum Bröltalbahnweg:
    „Wie die Deutsche Bahn auf GA-Anfrage mitteilt, wird der Bröltalbahnweg nach derzeitigem Planungsstand bis spätestens Ende September wieder geöffnet.“ Weitere Infos in unseren aktualisierten Artikel.

    01.09.26 Mit 465.351 Brückenüberquerungen im August 2026 weisen die Fahrradzählstellen „nur“ 6% mehr Radverkehr als 2025 aus. Grund für den geringeren Zuwachs als im Vormonat sind die späteren Sommerferien in diesem Jahr. Auf der Südbrücke wurden 10% auf der Kennedybrücke 29% mehr Radfahrende gezählt. 100% weniger als im Vorjahr hat natürlich die Nordbrücke.
    In der Summe sind in den Sommerferientagen 2026 706.691 Brückenüberquerungen von den Fahrradzählstellen registriert worden. Das sind 18% mehr als in den Sommerferien 2025 (598.715).

    01.09.26 Wie vor Kurzem angekündigt, hat die Verwaltung heute Teile der Radspurmarkierungen auf der Oxfordstraße abfräsen lassen. Der OB beteuert weiterhin, dass die Änderungen nur vorläufig sind. Die roten Markierungen wurden entfernt, um die Markierungen verständlicher zu machen. Die entstandenen Kanten sind jetzt eine zusätzliche gefährdung der Radfahrenden.

    Die Stadtverwaltung geht davon aus, dass die Ummarkierungsarbeiten auf der Adenauerallee Mitte September beginnen. Dort soll der Fahrradstreifen entfallen und jeweils zwei Autospuren pro Richtung provisorisch markiert werden. In der ersten Ausschreibung konnte keine qualifizierte Firma gefunden werden. Wir halten diese Maßnahme für unnötig und rechtlich zweifelhaft. Mehrere Bürgerinnen und Bürger, sowie der ADFC, werden dagegen klagen.

    Die Wiedereröffnung der Nordbrücke für einen Teil des Verkehrs wird wahrscheinlich doch nicht mehr in diesem Sommer stattfinden. Ursprünglich war gewollt, die provisorische Auffahrt für den Rad- und Fußverkehr noch im Sommer fertigzustellen. Es mussten aber noch Vereinbarungen mit den betroffenen Grundstückseignern getroffen werden, was die Sache verzögerte. Nach unseren Informationen ist geplant, einen Aufgang in eckiger Form als schnellste Variante zu realisieren und anschließend noch eine gerade Rampe zu ergänzen. Einen genauen Termin konnten wir noch nicht erfahren.

    27.08.26 Pressemeldung der Stadt Bonn zu weiteren Verkehrsmaßnahmen: Nach der Freigabe durch die Technische Aufsichtsbehörde sollen in Kürze die Kantensteine auf der Kennedybrücke versetzt werden, so dass die Busse zukünftig auf den Straßenbahngleisen am Stau vorbei über die Brücke fahren können.
    Gleichzeitig wurde angekündigt, die Sperrung für den Radverkehr auf der Oxfordstraße zwischen Sterntorbrücke und Wilhelmstraße aufzuheben und in diesem Abschnitt einen Radschutzstreifen zu markieren. Die Überprüfung, ob man auf einer solch vielgenutzten Fahrradverbindung den Radverkehr verbieten darf, ist Teil der Klage für die Radspuren.

  • Ulrike klagt für die Stadt als Lebensraum

    Ulrike klagt für die Stadt als Lebensraum

    Als die Nordbrücke am 3. Juni plötzlich komplett gesperrt wird, ist Urike auf dem Weg von Frankfurt zurück nach Bonn. Von einer Freundin erhält sie die Nachricht, dass die Brücke zu ist, und kann sich noch nichts darunter vorstellen. Die Anweisungen ihres Navis entlocken ihr nur ein Kopfschütteln. Sie weicht vom geplanten Weg ab und nimmt die Fähre über den Rhein. Zu Hause ist sie allerdingst erst 2 ½ Stunden später. 

    Diese Zeit reicht, um ihr klarzumachen, dass sie umplanen muss. Als Referentin in der Polizeiausbildung liegt ihr Arbeitsplatz 55 km entfernt im oberbergischen Land. Mit Bus und Bahn kommt sie dort nicht hin. Normalerweise fährt sie mit ihrem Auto von der Wohnung in der Nordstadt über die Nordbrücke und weiter nach Osten. Relativ schnell ist ihr klar, dass das Auto zukünftig nicht mehr vor ihrer Haustüre stehen wird. Es steht seitdem bei einer Bekannten in Villich-Müldorf, wo sie tagsüber ihr E-Bike sicher unterstellen kann. Seitdem fährt sie mit dem Rad über die Oxfordstraße und Kennedybrücke und dann mit dem Auto weiter zur Arbeit.

    In Bonn kann sie fast alles mit dem Rad erledigen, erklärt sie. Aber es wird – nicht erst seit der Brückensperrung – immer schwieriger. Der Verkehr wird mehr, die Autos kontinuierlich größer und Egoismus und Rücksichtlosigkeit nehmen zu. Sie fragt sich, warum man nicht die Chance nutzt und gerade in dieser Situation versucht, die Alternativen zum Auto zu stärken. Stattdessen werden wichtige Radspuren dem Autoverkehr geopfert. Das Primat des Autos hält sie für schädlich für unsere Städte. Hier wollen Menschen leben und sollen Raum haben. Sie verweist auf die Kölnstraße, die in ihrer direkten Nachbarschaft ist, und spricht von einer Zumutung für die Menschen dort. Der Verkehr sei unerträglich geworden und mit dem Rad stehe man hier nur vor zugestellten Schutzstreifen und blockierten Wegen.

    Den Ansatz der Task Force, über mehr Spuren noch mehr Autos durch die Stadt zu schleusen lehnt sie ab. Die Radspuren auf den wichtigen Verbindungen durch die Innenstadt wegzunehmen und bestimmte Strecken komplett für den Radverkehr zu schließen, hält sie für rechtswidrig. Die Umleitung über den Friedensplatz sei völlig unpraktikabel und an vielen Stellen gefährlich. Daher hat Ulrike sich entschieden zu klagen und über den Radentscheid und den ADFC Kontakt zu anderen Klagenden gefunden. Für Ulrike geht die Verkehrspolitik der aktuellen Stadtspitze in die völlig falsche Richtung. Sie gefährde Verkehrsteilnehmer wie sie, die ihre Mobilität umstellen mussten. Überhaupt sollte überlegt werden, wer wirklich in die Stadt hineinfahren muss. Andere Städte bieten so viele gute Beispiele, wie man Auto, Rad und ÖPNV verbinden kann, damit nicht alle mit dem Auto in die Innenstadt fahren. Mit der Klage hofft sie, die autozentrierte Verkehrspolitik zumindest an dieser für sie so wichtigen Stelle ausbremsen zu können. „Unsere Städte sollen Lebensraum bleiben und nicht nur für den Autoverkehr optimiert werden.“ sagt sie am Ende des Gesprächs.

  • Fr. 11.09.26 Demonstration für Radspuren und -wege

    Fr. 11.09.26 Demonstration für Radspuren und -wege

    Gemeinsam mit ADFC, VCD und Fuß e.V. rufen wir zu dieser wichtigen Fahrraddemo auf. Kommt zahlreich, denn nur so werden wir sichtbar machen, wie viele Menschen betroffen sind. Wir starten am Freitag, 11.09.26, um 18:00 Uhr am Hofgarten und wollen mit dem Rad über die Adenauerallee und die Oxfordstraße fahren. Ziel ist der Münsterplatz, wo wir gegen 19:00 Uhr die Abschlusskundgebung planen. Wer nicht mit dem Rad unterwegs ist und uns unterstützen will, kommt gerne um 18:45 Uhr auf den Münsterplatz. Mit dieser Demo wollen wir unserer Forderung nach sicheren Radspuren gerade auf diesen beiden Hauptachsen Nachdruck verleihen.

    Die Oxfordstraße ist eine wichtige Fahrradroute

    Die Oxfordstraße ist eine wichtige Verbindungsstrecke, die nach einer Zählung der Stadt von über 6.000 Radfahrenden am Tag genutzt wird. Den Radverkehr hier durch Autostau und Schwerlastverkehr auszubremsen, ist gefährlich und kontraproduktiv. Fast jeder, der das Rad wieder stehen lässt, wird anschließend mit seinem Auto den Verkehr zusätzlich belasten.

    Mehr Autospuren lösen kein Problem auf der Adenauerallee

    Auf der Adenauerallee weisen die Zahlen der Stadt nach der Brückensperrung eine über 80% Steigerung des Radverkehrs aus. Im gleichen Zeitraum hat der Autoverkehr auf dieser Strecke nur um 5 % zugenommen. Jetzt die Radspuren zu entfernen ist ein reines Politikum. Guido Déus und die CDU haben im Wahlkampf versprochen die Adenauerallee wieder vierspurig für den Autoverkehr zu machen. Mit dem Argument der Verkehrsprobleme durch die Nordbrücke soll das jetzt schnell umgesetzt werden. Eine Notwendigkeit gibt es nicht. Vielmehr ist in unseren Augen klar, dass das Nadelöhr Koblenzer Tor und die viel belastete Kreuzung am Bertha-von-Suttnerplatz den Autoverkehr auf der Adenauerallee limitieren.

    Unsere Forderungen:

    • Die Rad- und Umweltspuren auf der Oxfordstraße müssen wiederhergestellt werden!
    • Hände weg von den Radspuren auf der Adenauerallee! Wir haben die Nase voll von dem politischen Hick-hack ohne verkehrstechnische Evidenz.
    • Konsequenter, zügiger Ausbau sicherer Fahrradwege und -straßen insbesondere auf den Hauptstrecken und Velorouten. Bonn braucht in diesem Verkehrschaos das Fahrrad als schnelle und zuverlässige Alternative.
    • Zügige Verbesserungen beim ÖPNV. Bonn braucht zuverlässige und möglichst wenig staubelastete Busse und Bahnen.
    • Geh- und Radwegen, Kreuzungen und Überwegen müssen gerade bei Stau freigehalten werden! Davon profitieren alle Verkehrsarten.
    • Kein Transitverkehr durch die Bonner und Godesberger Innenstadt! Unsere Stadt muss für uns alle funktionieren und darf durch den Autoverkehr ihren lebenswerten Charakter nicht verlieren.
    • Oberbürgermeister und Ratsfraktionen: Nutzt die veränderten Verkehrsbedingungen, um Mobilität neu zu gestalten! Verkehre können verlagert werden. Die notwendigen Fahrten können reduziert werden.

    Uns geht es nicht um ein einseitiges Wunschkonzert. Wir kämpfen für eine Verkehrslösung, die alle Chancen und Belange im Blick hält, neu bewertet und nicht alten Reflexen folgt. Es gibt weltweit viele gute Beispiele dafür. Rad- Fuß- und öffentlicher Verkehr sind dabei wichtige Teile einer menschenfreundlichen Lösung von der alle profitieren.

  • Warum wir für sichere Radwege in der Innenstadt auch vor Gericht gehen

    Warum wir für sichere Radwege in der Innenstadt auch vor Gericht gehen

    Die Oxfordstraße ist eine zentrale Verbindung im Bonner Radverkehrsnetz. Sie verbindet Beuel mit der Innenstadt, Nordstadt und den westlichen Stadtteilen. Nach aktuellen Zählungen der Stadt nutzen zum Beispiel rund 3.000 Radfahrende sie täglich in Richtung Bertha-von-Suttner-Platz und Kennedybrücke. Eine gleichwertige, sichere Alternativroute gibt es nicht. Wenn die dort geschaffene Radverkehrsinfrastruktur zurückgebaut wird, betrifft das deshalb nicht nur einige Meter Fahrbahn – sondern die Funktionsfähigkeit des Bonner Radverkehrsnetzes.

    Deshalb unterstützen wir die Klage von acht Privatpersonen und dem ADFC für die Beibehaltung der sicheren Fahrradspuren auf der Oxfordstraße und der Adenauerallee. 

    Sichere Radwege dürfen nicht zum Spielball der Verkehrspolitik werden

    Die heutige Verkehrsführung auf der Oxfordstraße wurde erst vor wenigen Jahren geschaffen. 2022 wurde eine Fahrspur für den motorisierten Individualverkehr umgewidmet, um bessere Bedingungen für Radverkehr und ÖPNV zu schaffen. Damit setzte die Stadt ein politisches Ziel um, das auch im Bonner Radentscheid verankert ist: ein sicheres und durchgängiges Radverkehrsnetz.

    Nun soll diese Infrastruktur wegen der Sperrung der Nordbrücke teilweise wieder zurückgebaut werden. Wir halten das für den falschen Weg.

    Natürlich stellt die Sperrung der Nordbrücke eine außergewöhnliche Belastung für den Verkehr dar. Gerade in einer solchen Situation muss aber geprüft werden, welche Maßnahmen tatsächlich helfen und welche neue Probleme schaffen.

    Das Fahrrad ist Teil der Lösung

    Seit der Sperrung der Nordbrücke ist der Radverkehr über die Kennedybrücke deutlich gestiegen. Aber nicht nur dort. Nach zwei Monaten deutet sich an, dass ca. 40% mehr Menschen als zuvor den Rhein auf dem Rad überqueren. Auf der Kennedybrücke ist das Radaufkommen sogar um 60% gestiegen.

    Das zeigt: Viele steigen in dieser Situation auf das Fahrrad um. Jede Fahrt mit dem Fahrrad ersetzt potenziell eine Autofahrt und entlastet damit das Straßennetz. Wer sichere Radwege abbaut, riskiert deshalb, Menschen wieder ins Auto zu bringen – und damit genau den Verkehr zu verstärken, dessen Überlastung aktuell das Problem ist.

    Radverkehr braucht deutlich weniger Verkehrsfläche als der motorisierte Individualverkehr. Gerade bei begrenztem Straßenraum ist es deshalb sinnvoll, möglichst viele sichere und attraktive Alternativen zum Auto anzubieten.

    Auch rechtlich müssen wichtige Fragen geklärt werden

    Die Überprüfung vor Gericht unterstützen wir nicht, weil wir jede Veränderung der Verkehrsführung ablehnen. Wir machen das, weil eine solche grundlegende Verschlechterung des Radverkehrs nicht einfach politisch beschlossen und anschließend ohne ausreichende rechtliche Prüfung umgesetzt werden darf.
    Das Straßenverkehrsrecht stellt die Sicherheit der Verkehrsteilnehmenden vor die Leichtigkeit des Verkehrs. Bei bestimmten Verkehrsmengen gibt es klare Vorgaben zu den erlaubten Verkehrsführungen. Für verkehrliche Beschränkungen und Umleitungen müssen wichtige Abwägungen angestellt werden. 

    Daher stellen sich uns unter anderem folgende Fragen:

    • Ist der Rückbau der sicheren Radfahrstreifen tatsächlich erforderlich, um den Autoverkehr zu bewältigen?
    • Wurde der Radverkehr bei der Abwägung angemessen berücksichtigt?
    • Welche Auswirkungen hat die geplante Verkehrsführung auf die Sicherheit der Radfahrenden?
    • Gibt es eine gleichwertige und sichere Alternative?
    • Ist es verhältnismäßig, eine zentrale Radverkehrsverbindung einzuschränken?

    Besonders problematisch sehen wir die geplante Führung auf Schutzstreifen. Diese bieten nicht den gleichen Schutz wie vom Autoverkehr getrennte Radfahrstreifen. Auf der Oxfordstraße treffen hohe Verkehrsmengen, Busse, Abbiegevorgänge, Schwerlast- und Radverkehr aufeinander. Eine Verschlechterung der Radverkehrsführung schafft Konflikte und Gefahren.

    Mehr Platz für Autos ist nicht automatisch die Lösung

    Die aktuelle Verkehrssituation zeigt außerdem, dass Staus nicht zwangsläufig dadurch gelöst werden, dass dem Autoverkehr mehr Fahrbahn zur Verfügung gestellt wird.

    Bei verschiedenen Verkehrsversuchen hat die Stadt bereits Maßnahmen getestet, die den Autoverkehr an einzelnen Stellen einschränken und gleichzeitig den Verkehrsfluss verbessern. So verlief die testweise Sperrung der Linksabbiegespur von der Oxfordstraße in die Wilhelmstraße nach Angaben der Stadt ohne negative Auswirkungen auf den Verkehr. Auch ein Abbiegeverbot am Dorint-Hotel hat den Rückstau auf der Kennedybrücke reduziert und zugleich die Sicherheit des Radverkehrs verbessert. Viel Optimierung würde auch die Überwachung der Kreuzungen durch die Polizei bringen, damit diese bei Stau freigehalten werden.

    Das zeigt: Gute Verkehrssteuerung kann darin bestehen, Konfliktpunkte zu beseitigen und Verkehrsströme effizienter zu organisieren – statt Rad- und ÖPNV-Infrastruktur zugunsten des Autoverkehrs zurückzubauen.

    Wir brauchen sichere Alternativen – gerade in der Krise

    Wir setzen uns dafür ein, dass Verkehrspolitik auch in schwierigen Situationen langfristig sinnvoll, sicher und rechtlich nachvollziehbar bleibt. Es ist offensichtlich, dass es nie gelingen wird, den Großteil des Autoverkehrs, der die Nordbrücke genutzt hat, über die beiden verbleibenden Brücken und durch die Stadt abzuwickeln. Also müssen Möglichkeit geschaffen werden, andere Verkehrsmittel wie zum Beispiel ÖPNV und Fahrrad zu nutzen. Und es müssen Verkehre vermieden werden. Nicht jede Fahrt ist notwendig, wichtig oder alternativlos.

    Wer Autoverkehr reduzieren will, muss Alternativen stärken. Wer Sicherheit will, darf sichere Radwege nicht durch unsichere Lösungen ersetzen. Und wer ein funktionierendes Verkehrsnetz will, darf seine wichtigsten Radverkehrsverbindungen nicht zerstören. Die Oxfordstraße ist eine solche Verbindung. Wir setzen uns dafür ein, dass sie es bleibt.

  • Radentscheid unterstützt Klage für die Beibehaltung der Radspuren auf Oxfordstraße und Adenauerallee.

    Radentscheid unterstützt Klage für die Beibehaltung der Radspuren auf Oxfordstraße und Adenauerallee.

    Radfahrende, Menschen, die zu Fuß gehen, und die Nutzerinnen und Nutzer von Bus und Bahn tragen wesentlich dazu bei, unsere Straßen vom Autoverkehr zu entlasten. Trotzdem hat die Stadt in dieser Woche begonnen, die sicheren Rad- und Umweltspuren auf Oxfordstraße und Berliner Platz zu entfernen, um auf einigen sehr kurzen Strecken eine Vierspurigkeit für den Autoverkehr herzustellen. Ähnliches ist auch auf der Adenauerallee geplant. Damit verbunden sind die teilweise Sperrung der Strecken für Radfahrende und gefährliche Umleitungen wie etwa durch die Sterntorbrücke und zusammen mit unzähligen Bussen durch die Fußgängerzone am Friedensplatz. Wir glauben nicht, dass die geplanten Maßnahmen den rechtlichen Vorgaben entsprechen. Das soll gerichtlich überprüft werden. Sechs Privatpersonen und der ADFC als Verein klagen gegen diese Maßnahmen vor dem Verwaltungsgericht. Diese Klage unterstützen wir auch als Radentscheid.

    Klagende im kommunikativen Gegenwind

    Der Oberbürgermeister und die Task Force der Verwaltung begründen ihre Maßnahmen mit dem hohen Verkehrsaufkommen auf Grund der Sperrung der Nordbrücke. Sie stellen sie als vorläufig und Versuch hin, der ggf. rückgängig gemacht werden wird, wenn er keine Besserung für den Autoverkehr bringt. Leider passen die Maßnahmen allzu gut zum autogeprägten Verkehrsverständnis von CDU und FDP und sind im Falle der Adenauerallee ja auch zum Politikum und Wahlversprechen geworden. Die SPD, die vor wenigen Jahren den Radspuren zugestimmt hat, stolpert leider weiter ohne sichtbares Konzept durch den Bonner Verkehr. Daher ist zu erwarten, dass den Klagenden ein starker kommunikativer Gegenwind entgegenblasen wird. Die Verwaltung wird behaupten, dass alle geforderten Abwägungen stattgefunden hätten und die Klagenden kompromisslose Radfahrende seien, die nur ihre Partikularinteressen sehen. Es sind aber Personen, die auf Grund der Brückensperrung jetzt mit einer Kombination aus Auto und Rad pendeln, Familien, die ihre Kinder mit dem Rad zu Kita bringen sowie Menschen, die kein Auto besitzen und auf das Rad angewiesen sind. Sie alle verbindet, dass sie oft die Adenauerallee und Oxfordstraße mit dem Rad befahren und sich zukünftig mit Autos und Schwerlastverkehr eine Fahrspur teilen sollen. Damit sind sie ein wichtiger Teil der Lösung der akuten Autoverkehrsprobleme. Die Klagenden brauchen unsere Unterstützung bei der Meinungsbildung in öffentlichen wie in den privaten Kreisen – auch deine.

    Spendensammlung bei betterplace

    Die Gesetzgebung und Rechtssprechung in Verkehrsfragen ist komplex. Um der Klage eine gute Erfolgschance zu geben, lassen sich die Klagenden von einem spezialisierten Anwalt beraten. Die Kosten dafür werden im ersten Schritt ca. 10.000,- € betragen. Im Prozess und bei einer verlorenen Klage wird noch einiges hinzukommen. Daher haben wir gemeinsam mit dem ADFC und VCD eine Spendensammlung bei betterplace gestartet. Damit wollen wir das finanzielle Risiko für die Klagenden abmildern. Hier geht es zur Spendensammlung.

    Ein Zeichen der breiten Unterstützung

    Wichtig ist auch ein deutliches Zeichen der Solidarität zu setzen. Dafür sammeln wir weiter Unterstützer unserer Petition „Hände weg von den Umwelt- und Radspuren“ Aktuell haben über 11.000 Personen die Petition mitgezeichnet. Unser Ziel ist es, die Anzahl der Unterschriften, die wir 2020 für den Radentscheid gesammelt haben (28.074), zu übertreffen. Also bitte verbreitet den Link und informiert die Menschen in eurem Umfeld.

    Weitere Aktionen geplant

    Die Zeichen für sichere Radrouten stehen aktuell schlecht. Es ist zu befürchten, dass die Task Force noch weitere Verschlechterungen für Radfahrende vorschlagen wird. Zudem sprechen die CDU-geführte Ratskooperation und die Verwaltung zwar davon, unsere Velorouten realisieren zu wollen, es passiert aktuell aber wenig. So wird zum Beispiel der Stadtratsbeschluss, die geplanten Fahrradstraßen, die auf den Velorouten liegen, zu realisieren, aktuell nicht umgesetzt. Wir planen daher weitere Aktionen und Demonstrationen. Aktuelle Informationen dazu gibt es jeweils hier auf unserer Webseite und in unseren Social Media Kanälen..

  • Guido Déus: „Der Radverkehr wird massivst einbrechen!“

    Guido Déus: „Der Radverkehr wird massivst einbrechen!“

    Im Podcast „Bonner Brückentage“ von General-Anzeiger und WDR sagte Guido Déus am 15.7.26 wörtlich: „Aber jetzt lassen Sie uns mal sechs, acht, zwölf Wochen weitergehen. Die Fahrradzahlen werden im Herbst und Winter massivst einbrechen.“ Und auf die Erwiderung der Moderatorin, man könnte den Radverkehr auch fördern, damit das Radfahren auch im Herbst und Winter attraktiv bleibt, fragt Déus ungläubig: „Halten Sie das selber für realistisch?“ Er führt dann weiter aus: „Ich bleibe bei meiner Behauptung: Ja, wir werden auch im Winter mehr Fahrradfahrende haben, auf Grund der Situation, als wir das früher hatten. Aber ich bleibe bei meiner Behauptung, dass der Fahrradverkehr in den Wintermonaten massivst einbrechen wird auf Grund der Witterung, weil das eben nicht jeder so macht, wie bei dem schönen Wetter draußen und darauf muss ich mich jetzt vorbereiten.“

    Man muss Herrn Déus zu Gute halten, dass er zumindest den zweiten Teil des Zitates als Behauptung darstellt und nicht als Fakten. Unklar ist, was er mit „massivst“ meint. In meiner Vorstellung müssten bei dieser ins Extrem gesteigerten Formulierung mehr als die Hälfte der Radfahrenden ihr Fahrrad stehen lassen. Das tun sie aber bisher nicht. Warum behauptet er so etwas, wenn es seit Jahren an mehreren Stellen der Stadt Messstellen für den Fahrradverkehr gibt. Die Zahlen dazu veröffentlich die Stadt tagesaktuell auf ihrer Internetseite. Ein Blick in die städtischen Daten hätte Herrn Déus bei der Einschätzung dessen, was wahrscheinlich kommen wird, geholfen.

    Nehmen wir die Zahlen von 2025 für die Kennedybrücke als Indikator. Es waren
    – durchschnittlich 7.277 Radfahrende pro Tag
    – im stärksten Monat (Juli 2025) 8.632 Radfahrende pro Tag (+19%) und
    – im schwächsten Monat (Januar 2025) 5.078 Radfahrende pro Tag (-30%).
    Für 70% der Menschen, die an einem durchschnittlichen Tag über die Brücke fahren, ist das Radfahren eine Mobilitätsform für 12 Monate im Jahr.

    Wie steht es um die Jahreszeiten?
    – Im Herbst (Sept-Nov) waren es 7.183 Radfahrende pro Tag (-1 %)
    – im Winter (Dez-Feb) 5.585 Radfahrende pro Tag (-23 %)
    – im Frühjahr (März-Juni) 7.774 Radfahrende pro Tag (+7 %)
    Also wird nur im Winter das Fahrrad etwas weniger genutzt.

    Am Anfang des Zitats spricht Herr Déus davon, dass die Fahrradzahlen im Herbst und Winter massivst zurückgehen werden. Die 2025er Zahlen weisen für die Monate September bis Februar einen Rückgang von 12% gegenüber dem Durchschnitt aus. Das ist faktisch nur ein leichter Rückgang des Radverkehrs.
    Im zweiten Teil des Zitats reduziert er seine Behauptung auf die Wintermonaten. Die Daten belegen auch für den Winter nur einen Rückgang von 23%. Auch dafür ist der Begriff „massivst“ in meinen Ohren irreführend.

    Aber Herr Déus lässt in seiner Ehrlichkeit, die er ständig von sich fordert, seine Einstellung zum Radfahren durchblicken. Ich glaube für unseren Oberbürgermeister ist das Fahrrad ein Freizeitgerät, das man gerne aus der Garage holt, wenn Wochenende ist und die Sonne scheint. Er sieht scheinbar nicht, dass es für viele Menschen für fast alle Tage des Jahres eine gute Mobilitätsoption ist. So überzeugt, wie er im Podcast über den massivsten Rückgang spricht, steht leider zu befürchten, dass er weiterhin falsche Prioritäten setzen und ein großes Lösungspotential für die aktuelle Verkehrskrise weitgehend übersehen wird. Politik, die Glaubenssätzen wie „Im Winter und bei Regen fährt sowieso kaum jemand mit dem Fahrrad“ folgt, geht leider in die falsche Richtung.

  • Fünf Jahre Radentscheid für Bonn – Unser Resümee

    Fünf Jahre Radentscheid für Bonn – Unser Resümee

    Im Februar 2021 wurde der Radentscheid mit den Stimmen von Grünen, SPD, CDU, Linken und Volt für Bonn beschlossen. Darin wurde als erster Punkt festgelegt, dass binnen fünf Jahren ein sicheres und durchgängiges Netz an Rad- und Gehwege, das auch an Knotenpunkten unterbrechungsfrei geführt wird, entstehen sollte. Das Netz sollte Radschnellverbindungen in Nord-Süd- und West-Ostrichtung und Verbindungen zwischen allen Stadtteilen umfassen. Die fünf Jahre sind um. Wir versuchen eine Bilanz und Interpretation.

    Keine neuen durchgängige Radverbindungen

    Es ist offensichtlich, dass die Grundforderung nicht erfüllt wurde. Betrachtet man die Radwege, so sind diese weiter nur abschnittsweise vorhanden. Neue Radwege wurden nicht gebaut, Radschnellwege existieren auf Bonner Stadtgebiet weiterhin nicht. Lediglich auf der Nord-Süd-Achse gibt es durch die Radwege beidseits des Rheins und entlang der Bundesbahn durchgängige Verbindungen. In West-Ost-Richtung und zwischen vielen Ortsteilen existiert so etwas nicht oder nur rudimentär.

    Beschlossene Standards wurden nicht ungesetzt

    In den weiteren Punkten des Radentscheids wurden für neu zu bauende oder zu ertüchtigende Strecken Mindeststandards festgelegt: Radwege sollen mit 2 m Breite pro Fahrtrichtung gebaut und von anderen Verkehrsarten getrennt geführt werden. Sie sollten zudem vor dem Befahren durch Autos geschützt sein. Dies ist insbesondere für Radspuren, die auf Fahrbahnniveau geführt werden, wichtig. Daneben sollten Gehwege von 2,5 m, mindestens aber 1,5 m, Breite angelegt werden, damit das Rad die Zu-Fuß-Gehenden nicht an den Rand drängt. Große Ampelkreuzungen sollten als Schutzkreuzungen nach niederländischem Vorbild gebaut werden. Neue Einmündungen und Ausfahrten sollten so angelegt werden, dass der Fuß- und Radweg auf dem Bürgersteigniveau geführt werden und Autos vom Fahrbahnniveau auf das Niveau des Fuß- und Radwegs und wieder hinunter kreuzen müssen. Das alles ist so nicht oder nur in minimalem Umfang gebaut worden. Die Idee, Radverbindungen in einem neuen, sicheren und komfortablen Standard zu realisieren, ist bisher nicht umgesetzt worden.

    Als niedrigeren Standard sah der Beschluss des Radentscheids vor, das Radstrecken auch als Fahrradstraßen oder in Ausnahmefällen als Umweltspuren geführt werden dürfen. In diesem Bereich ist einiges entstanden. Dazu unten mehr.

    Streckenziel nur zu weniger als 20 % erreicht

    Da es schon sein 2010 ambitionierte Pläne für Fahrradrouten in Bonn gibt, die Umsetzung aber kaum erfolgte, war ein klares Ziel des Radentscheids, die Verwaltung auf den Bau von gewissen Quantitäten pro Jahr und im gesamten 5-Jahre-Zeitraum zu verpflichten. So beschlossen die zustimmenden Abgeordneten für die fünf Jahre folgendes: 75 km Strecke sollten für Radverkehr in beide Richtungen ge- oder umgebaut werden. Darunter waren mindestens 25 km neue Radwege zu bauen. 30 Kreuzungen waren umzubauen. 100 Einmündungen und alle neuen Grundstücksausfahren sollten ohne Absenkung des Gehwegs realisiert werden. Außerdem sollten 15.000 neue Abstellplätze für Fahrräder geschaffen werden. Im Nachhinein erscheinen diese Zahlen als viel zu hoch. Auch wenn es einige Beispiele von Kommunen gibt, die so etwas erreichen, erwies es sich für Bonn als unrealistisch. Zu unseren Analysen, warum da so ist, kommen wir später. 

    In der folgenden quantitativen Betrachtung der letzten fünf Jahre haben wir alle Maßnahmen berücksichtigt, die in dem Zeitraum fertig geworden sind. Wir wollen uns nicht davon freisprechen, vielleicht einzelne Maßnahmen übersehen zu haben. Unter den Maßnahmen sind solche, die auf älteren Beschlüssen basierten und in den letzten fünf Jahren fertiggestellt wurden. Dafür fehlen Maßnahmen, die unter dem Radentscheid geplant und vorbereitet wurden, aber noch nicht abgeschlossen sind. 

    Maßnahmen, die nur für den Radverkehr in eine Fahrtrichtung umgesetzt wurden, haben wir nur mit 50% der Strecke eingerechnet. Das summiert sich auf:

    2.200 m Radwege davon 500 m neu gebaut und 1.700 m Verbreiterung des bestehenden Radwegs. Die Strecken wurden aber alle nicht in der beschlossenen Mindestbreite realisiert.

    2.455 m Radspuren, die aber fast komplett ohne Protection, also ohne Überfahrschutz für Autos, angelegt sind.

    380 m Umweltspuren

    9.770 m Fahrradstraßen

    Die einzelnen Strecken, die wir eingerechnet haben, haben wir unten im Anhang aufgeführt. 

    Lässt man die geforderten Standards außen vor und rechnet alle Strecken gleichwertig ein, so kommt man auf 14.805 m Fahrradinfrastruktur was 19,7% der beschlossenen Menge entspricht. Beim allergrößten Teil davon handelt es sich nicht um Baumaßnahmen, sondern um Umwidmungen, die entsprechend nur beschildert und markiert wurden. Die kalkulierten und beschlossenen Budgets sowie mögliche Förderzuwendungen wurden bei weitem nicht ausgeschöpft. 

    Für die Fahrradstellplätze fehlen uns die Zahlen aus dem Jahr 2025. Vorher berichtete die Stadt 725 Plätze in den Jahren 2021/2022 laut erstem Transparenzbericht. Darin enthalten sind 21 Fahrradboxen. In den Jahren 2023 und 2034 kamen zusätzlich 280 Plätze in 4 Fahrradparkhäusern und 60 Plätze im Parkhaus Stadthaus aber nur 20 Plätze mit Anlehnbügeln hinzu. Bis dahin sind es 1.085 von 15.000 beschlossenen. Im Jahr 2025 wurden deutlich mehr Fahrradbügel aufgestellt als zuvor. Genaue Zahlen liegen uns leider nicht vor. 

    Unsere Analyse

    Der Ausbau der Infrastruktur ist eine komplexe Aufgabe. Daher sehen wir auch verschiedene Gründe, warum – trotz des politischen Willens von Oberbürgermeisterin und Stadtratsmehrheit – die Umsetzung des beschlossenen Radinfrastrukturprogramms nur zu einem so geringen Teil gelungen ist. Die Reihenfolge der im Anschluss genannten Gründe ist keine Gewichtung. Jeder Aspekt hat einen Einfluss auf das Ergebnis.

    Die überforderte Verwaltung

    Monat für Monat treffen die politischen Gremien neue Beschlüsse, die umgesetzt werden müssen. Das reicht von Grundsatzbeschlüssen bis zu einzelnen Maßnahmen. Dazu kommen kommunale Aufgaben auf Grund von Landes- oder Bundesgesetzen. Gleichzeitig ist es zunehmend schwer, passendes Fachpersonal zu finden. Nach unserem Wissen gibt es innerhalb der Verwaltung keinen kompletten und aktualisierten Überblick über die Aufgaben, die sich über viele Jahre angesammelt haben, und keine Nachverfolgung all dieser Aufgaben. Damit gibt es auch oft keine klare Priorisierung. Es müssten Aufgaben aussortiert werden. Politische Gremien sollten entscheiden, ob dieses oder jenes noch umgesetzt werden soll. Es herrscht eine Überforderung, die dazu führt, dass oft an dem gearbeitet wird, was gerade dringend gemacht wird. Anderes bleibt viel zu lange liegen.

    Schlecht verzahnte Ämter

    Es gibt keine ämterübergreifende Projektsteuerung. Für die Umsetzung des Radentscheids werden Stadtplanungsamt, Tiefbauamt, Straßenverkehrsbehörde, Vergabedienst, Ordnungsamt und BonnOrange gebraucht. Der Informationsfluss zwischen den Ämtern ist nicht ausreichend, Projekte werden weitergereicht und nicht durchgängig gesteuert. Ein gemeinsames Verständnis von Aufgabe und Ziel kommt oft nicht auf. Projekte kommen nicht zum Ziel, weil in den einzelnen Ämtern autark entschieden wird und nicht alle von dem Nutzen der Radinfrastruktur überzeugt sind. Die Reibungsverluste sind enorm, verlässliche Vorhersagen über Projektzeiten sind kaum zu machen, ein effizientes Arbeiten ist in dieser Konstellation nicht sichergestellt. Daher haben wir schon lange eine ämterübergreifende Projektsteuerung oder die Zusammenlegung der Beteiligten in einem Mobilitätsamt vorgeschlagen.

    Ein Thema mit hoher Emotionalität 

    Mobilität ist in unserer schnell getakteten Gesellschaft ein hohes Gut. Sie wird mit Freiheit, erfolgreicher Wirtschaft und Status verbunden. Unsere Autos, Wohnmobile, Lieferfahrzeuge und E-Bikes werden immer mehr und immer größer. Zuerst sind die Garagen zu klein, dann unsere Straßen zu eng und am Ende steckt der Verkehr im Stau. Viele Menschen sind gestresst und nicht willens, weitere Einschränkungen hinzunehmen. Vielmehr hofft man mit dem Ausbau von Straßen und Parkhäusern der Sache Herr zu werden. In dieser angespannten Lage wurden Fahrradstraßen und einzelne Fahrspuren zu einer Grundsatzfrage hochstilisiert. Proteste wurden laut geäußert, die Verkehrspolitik als unvernünftig dargestellt und der Widerstand formierte sich bis zu Klagen Einzelner um den Parkplatz vor der eigenen Haustüre. Die Diskussion wurde in einer Heftigkeit geführt, die abseits von Rationalität und Lösungssuche war. Die Handelnden wurden gelähmt, die Konflikte auf allen Ebenen dramatisiert. Die Chancen einer veränderten Mobilität, die Flächeneffizienz des ÖPNVs und des Radverkehrs und die damit verbundenen Entlastungen für den städtischen Raum und das Klima wurden nicht klar. Vieles war geprägt von Empörung, die Befürworter wurden still und die Veränderung weitgehend abgeblockt.

    Mobilität als politisches Profilierungsfeld

    Die Weiterentwicklung unserer Stadt und damit auch die Veränderung und Verbesserung der Mobilität ist ein Thema, das einen langen Atem braucht. Es braucht eine gemeinsame Vision, wie das Ziel aussehen könnte und eine langfristige schrittweise Weiterentwicklung. Es wird keine Innenstadt geben, die immer autofrei ist. Nicht jeder ist in der Lage, Fahrrad zu fahren. Immer mehr Straßen führen nicht zu flüssigerem, sondern zu mehr Verkehr. Die Menschen sehnen sich nicht nur nach Mobilität, sondern auch nach städtischen Räumen, in denen man sich noch zu Fuß und unbedrängt bewegen kann. Das alles verlangt nach vielen guten Kompromissen, nach Interessensausgleich und hohem Konsens. Indem Mobilität aber zur politischen Profilierung genutzt wird, wirkt sie polarisierend. Da werden Autofahrer gegen Radfahrer, Radfahrer gegen Fußgänger, Wirtschaftsverkehre gegen Individualverkehr und die Bahn gegen alles gestellt. Und so ist auch der Radentscheid, der von einer breiten Mehrheit inklusive der CDU beschlossen wurde, in den politischen Mühlen zerrieben worden. Eine Legislaturperiode ist zu kurz, um erlebbare Verbesserung der Mobilität zu schaffen. Wenn es alle fünf Jahre in eine andere Richtung geht, entsteht Stillstand. Daher wünschen wir uns, dass die Entwicklung von Mobilität und Verkehr wieder zu einer Sachfrage und nicht immer mehr zum Politikum und manchmal auch zur Glaubensfrage wird.

    5 Jahre Radentscheid – Was bleibt?

    Mit dem Radentscheid ist die Fahrradmobilität in Bonn zum Gesprächsthema geworden und hat eine neue Beachtung bekommen. Es gibt ein weitverbreitetes Verständnis, dass wir die Radinfrastruktur verbessern sollten und davon alle profitieren können. Das Fahrrad wird bei der Planung deutlich mehr mitgedacht. Das ist gut, aber leider nicht unumkehrbar. Daher werden wir uns weiter dafür einsetzen. Denn es gibt auch die Verhinderer, die hoffen, dass mit dem neuen Oberbürgermeister der Spuk vorbei ist und gegen alle Rationalität eine Verkehrspolitik, die nicht primär das Auto fördert, als ideologisch verblendet ansehen. 

    In den letzten Jahren sind in Bonn die Anzahl und die Länge der Strecken, die mit dem Rad zurückgelegt werden, stark angestiegen. Daran haben sicher auch die E-Bikes und die Förderung der Diensträder einen großen Anteil. Jetzt muss die Fahrradinfrastruktur nachziehen. Wenn mehr Menschen Rad fahren, wird es aber auch wieder weniger Staus in der Stadt geben. 

    Allein: die Umsetzung ist viel schwieriger und zäher als gedacht. Die Grundidee des Radentscheids, nämlich der forcierte und kontinuierliche Ausbau der Radwege und -routen, ist nicht in der notwendigen Konsequenz umgesetzt worden. Die beschlossene Qualität ist nicht, die Quantität nur zu einem kleinen Teil erreicht worden. Mögliche Gründe dafür haben wir oben genannt, sie bieten auch die Ansätze für Verbesserung: Eine Struktur- und Prozessveränderung in der Verwaltung, eine Entpolitisierung und langfristige Ausrichtung von Stadtentwicklung und Verkehrsplanung und eine kompromisssuchende Diskussion statt des Ausspielens der Mobilitätsformen gegeneinander. 

    Ein Ansatz für die weitere Strategie ist unsere Idee sich – neben den Straßen die auf Grund notwendiger Sanierungsmaßnahmen überarbeitet werden – vorerst auf die Velorouten, also die Umwidmung eines kleinen Teils der städtischen Straßen und Wege für zehn durchgängige, weitgehend sicher gestaltete Radstrecken zu konzentrieren. Auf diesen soll der Radverkehr gebündelt werden und Priorität vor anderen Verkehren haben. Genauso braucht es Bereiche, die dann vorwiegend für ÖPNV oder den Fußverkehr ausgebaut oder weiter vorwiegend als Hauptrouten für den motorisierten Verkehr genutzt werden. Für keine dieser Mobilitätsformen wird es die ideale Welt geben. Aber in der Summe wird sie den Bürgerinnen und Bürgern von Bonn eine vielfältigere Mobilität ermöglichen. Vielleicht schaffen wir es, mit den 10 Velorouten eine noch nicht flächendeckende, aber spürbare Verbesserung der Fahrradmobilität zu erreichen. Natürlich wird es lokal in den einzelnen Straßen Diskussionen um das Für und Wider oder das „Wie?“ und „Warum gerade hier?“ geben. Aber es wird auch verständlich sein, dass wir nicht alles überall möglich machen können und wollen, sondern in der Stadt im Sinne der Gesamtmobilität unterschiedliche Schwerpunkte setzen müssen.

    Was bleibt vom Radentscheid? Vor allem: Es bleibt noch viel zu tun. 

    —————–

    Hinweis: Die Verwaltung plant zum Spätsommer 2026 einen Abschlussbericht zum Radentscheid zu veröffentlichen.

    —————–

    Die berücksichtigten Strecken sind:

    2.200 m Radwege

    • 1.700 m | Verbreiterung des Radwegs rechtsrheinische Rheinaue von 2,0 auf 3,0 m
    • 500 m | Neuer Radweg an B56 zwischen Am Herrengerten und Reinold-Hagen-Straße

    2.455 m Radspuren

    • 150 m | 300 m einseitig Radspur mit Protektion Berliner Platz und Oxfordstraße zwischen Budapester Str. und Kasernenstraße
    • 100 m | 200 m einseitig Radspur mit Protektion Welschnonnenstraße von Josefstraße bis Theaterstraße
    • 25 m | 50 m einseitig Radspur mit Protektion in der Adolfstraße zwischen Vorgebirgsstraße und Am Frankenbad
    • 100 m| 200 m einseitig Radspur Oxfordstraße zwischen Köln- und Wilhelmstraße 
    • 100 m | 200 m einseitig Radspur Am alten Friedhof zwischen Rabinstraße und Bornheimer Straße 
    • 380 m | Radspuren ohne Protektion auf der Guido-Westerwelle-Brücke1.600 m | Fahrradspuren ohne Protektion Adenauerallee von Bundeskanzlerplatz bis Stockenstraße

    380 m Umweltspuren

    • 170 m | 340 m einseitig Umweltspur Oxfordstraße / Berliner Platz von Wilhelmstraße bis Bornheimerstraße
    • 170 m | 340 m Umweltspur Oxfordstraße / Berliner Platz zwischen Wilhelmstraße und Bornheimer Straße
    • 40 m | 80 m Umweltspur einseitig Berliner Platz zwischen Bornheimer Straße und Budapester Straße

    9.770 m Fahrradstraßen

    • 1.500 m | Fahrradstraße Rheinufer: Erzbergerufer, Brassertufer, Rathenauufer
    • 300 m | Fahrradstraße Schleidener Straße
    • 100 m| Fahrradstraße Holtdorfer Straße
    • 410 m | Fahrradstraße Am Ennertbad
    • 610 m | Fahrradstraße Forstweg / Pützchensweg
    • 550 m | Fahrradstraße Rheinausstraße von Combahnstraße bis Wolfsgasse
    • 210 m | Fahrradstraße Ringstraße von Rheinaustraße bis Elsa-Brändström-Straße
    • 210 m | Fahrradstraße Ringstraße von Elsa-Brändström-Straße bis Rudolf-Hahn-Straße
    • 200 m | Fahrradstraße Ringstraße von Rudolf-Hahn-Straße bis Limpericher Straße
    • 490 m | Fahrradstraße Fritz-Ehler-Straße / Tulpenfeld / Winston-Churchill-Straße
    • 470 m | Fahrradstraße Sträßchensweg
    • 130 m | Fahrradstraße Achim-von-Arnim-Straße von Sträßchensweg bis Johanniterstraße
    • 400 m | Fahrradstraße Johanniterstraße von Achim-von-Arnim-Straße bis Zitelmannstraße
    • 280 m | Fahrradstraße Zitelmannstraße
    • 440 m | Fahrradstraße Röckumstraße von Sebastianstraße bis Flodelingsweg
    • 270 m | Fahrradstraße Flodelingsweg von Röckumstraße bis Hainstraße
    • 470 m | Fahrradstraße Im Schmalzacker von Hubertusstraße bis Am Götgesbach
    • 330 m | Fahrradstraße Höhlenweg
    • 420 m | Fahrradstraße Auf den Steinen
    • 1.100 m | Fahrradstraße Herzogsfreundweg vom Im Schmalzacker bis Witterschlicker Allee
    • 220 m | Fahrradstraße Auf dem Dransdorfer Berg von Siemensstraße bis Am Dörnchen
    • 240 m | Fahrradstraße Karl-Legien-Straße von Am Rheindorfer Hafen bis Werftstraße410 m | Fahrradstraße Karl-Legien-Straße von Werftstraße bis Kranenweg

  • Die Kundgebung findet trotz Hitze statt

    Die Kundgebung findet trotz Hitze statt

    Wir haben lange überlegt, ob wir die Kundgebung absagen müssen. Der Aufruf hat sich gut verbreitet, daher ist es schwierig, auf die Hitze mit einer Verlegung zu reagieren. Aber es gibt einige Maßnahmen, die ihr treffen könnt, um euch zu schützen. Unser Poster unten gibt euch Tipps. Bitte passt auf euch auf! Im Zweifel bieten Einzelhandel und Gastro rund um den Münsterplatz klimatisierte Räume.

    Wir werden das Programm sehr kompakt halten, fangen pünktlich um 17:00 Uhr an und wollen spätestens um 17:45 Uhr fertig sein. Der Münsterplatz hat immerhin ein paar Bäume und wir werden die Bühne so ausrichten, dass wir von dort zu hören sind. Wir hoffen trotz der Hitze auf eine rege Teilnahme.

  • Jetzt braucht es Gelassenheit

    Jetzt braucht es Gelassenheit

    Die Verkehrssituation in Bonn hat sich durch die Brückensperrung grundlegend verändert. Damit ist auch die Mobilität anders geworden. Das Auto steht nicht mehr jederzeit und unkompliziert zur Verfügung. Stattdessen sind plötzlich das Rad und bald hoffentlich auch Bus und Bahn die schnellere und zuverlässigere Alternativen. Und bei dem Wetter tatsächlich auch gar nicht unangenehm.

    Also rauf aufs Rad oder mal wieder zu Fuß von Beuel in die City laufen. Die Fahrradgeschäfte berichten von einem Ansturm von verstaubten Rädern, die jetzt schnell wieder fit gemacht werden sollen, und der Verkauf von Rädern zum Pendeln oder um Lasten zu transportieren steigt deutlich. Seit der Brückensperrung hat sich der Radverkehr in der Stadt sprunghaft gesteigert und an manchen Stellen mehr als verdoppelt. Und plötzlich wird es nicht nur auf den Autospuren eng.

    Die Gefahr, dass sich jetzt Konflikte hochschaukeln und die Nerven blank liegen, ist groß. Zu sehr haben wir in unserem durchgetakteten Alltag vergessen, Zeit für die Wege von A nach B einzukalkulieren. Wenn ich hier fertig bin und gleich dort weitermachen muss, soll das Zwischendrin möglichst schnell gehen. Geht aber gerade nicht. Und dann steigt der Puls. Bei vielen.

    Und da der Mensch nicht entweder Autofahrer, Radfahrer oder Fußgänger ist, kann man die Beobachtung in verschiedenen Situationen an sich selbst machen. Wie nervig ist es für den Autofahrenden in mir, wenn man in der Nebenstraße festhängt, weil die Hauptstraße zugestaut ist. Wie gerne würde man dauerhupen, wenn so ein Depp die Kreuzung blockiert und den Querverkehr unmöglich macht. Und dann die Radfahrenden, die sich überall durchdrängeln und mir das Voranschleichen noch schwerer machen.

    Als Radfahrender weiß ich in der Regel auf die Minute genau, wann ich am Ziel ankommen werde. Pure Routine. Aber plötzlich sind da all die vielen anderen. Und einige davon sind zudem recht unsicher auf dem Rad. Andere finde ich einfach unverschämt, in der Situation noch unbedingt nebeneinander fahren zu müssen. Fußgänger weichen auf den Radweg aus und an den Kreuzungen muss ich sehen, wie ich um die Busse, die im Stau stehen, herumkomme. Und dann die Gruppen auf dem Gravelbike, die meinen, 30 cm Abstand zwischen unseren Lenkern wären genug. Warum sind die alle im Weg?

    Bin ich zu Fuß unterwegs, geht es mir nicht anders. Der Überweg an der Ampel ist zugestellt. Die Abgase nerven. Die Radfahrenden kommen von allen Seiten. Da wird es nichts mit gemütlich bummeln und sich dabei unterhalten. Das macht alles keinen Spaß.

    Die größte Falle ist, wenn ich schon weiß, dass gleich wieder einer von denen kommt und mich auf diese Art ärgern wird. Irgendeiner tut mir immer den Gefallen, bestätigt meine Vorbehalte und treibt mich weiter in die Abwehr. Das wird zum beständigen Kampf auf der Straße.

    Aber nein, ich will das nicht. Durchboxen funktioniert nicht. Es ist, wie es ist. Da hilft nur tiefes Durchatmen. Relax, nimm dir etwas mehr Zeit und mach das Beste aus der Situation. Schau dich um, nach den anderen. Nimm Rücksicht. Wir sind alle in der gleichen Situation. Lächeln hilft. Wenn wir es schaffen, uns gegenseitig wahrzunehmen und einen Gang runterzuschalten wird es einfacher und angenehmer. Ich habe keine Lust, mir meinen Tag vom Verkehr vermiesen zu lassen.

    Und eigentlich haben wir in Bonn doch einige Optionen, die man mal ausprobieren kann. Lasst uns nicht akzeptieren, dass man morgens und nachmittags nicht mehr in die Innenstadt kommt, dass das jetzt alles so für die nächsten 10 Jahre bleibt und dass unsere Stadt nicht wirklich lebenswert ist. Die Situation ist plötzlich so anders, dass wir mal kurz innehalten könnten und überlegen, ob das nicht auch eine Chance für positive Veränderungen ist. Wenn wir durch die neuen Perspektiven neues Verständnis bekommen und uns gemeinsam dafür engagieren, die Probleme zu lösen, dann geht einiges.

    Wahrscheinlich müssen wir zuerst einige Feindbilder und Glaubenssätze ablegen, um die Offenheit zu bekommen. Wir sollten aufhören, zu diskutieren, wer das alles Schuld ist. Lasst uns die Zweifler und Hassenden ausblenden und uns mit denen zusammentun, die bereit sind, positiv zu denken. Und lasst uns aufhören, die Menschen nach ihrem Fahrzeug in Schubladen zu stecken.

    Bonn braucht jetzt die Rücksicht und Toleranz von jedem von uns. Lassen wir die Situation und die Meinungen an den Stammtischen nicht weiter eskalieren und uns auf ein gemeinsames Ziel verständigen: Wir alle wollen hier in Bonn gut leben können. Machen wir was draus.

  • Der Rat stellt die Weichen: Keine Fahrradinfrastruktur mehr auf der Oxfordstraße Richtung Stadthaus

    Der Rat stellt die Weichen: Keine Fahrradinfrastruktur mehr auf der Oxfordstraße Richtung Stadthaus

    Von Guido Deus haben wir gestern in der Ratssitzung gehört, dass die Task Force, die aktuell wegen der gesperrten Nordbrücke über Anpassungen der Verkehrsführung berät, immer auch den Radverkehr mit bewertet und abwägt. Angeblich sieht man die Bedeutung des Radverkehrs und versucht trotz allen Widrigkeiten diesen auch zu berücksichtigen. So müsse zwar die Oxfordstraße für den Autoverkehr doppelspurig werden, aber man ist laut dem neuen Dezernenten Bockshecker optimistisch, auch eine sichere Radverkehrsführung auf der Trasse hinzubekommen. Vorgeschlagen werden – wenn rechtssicher anzuordnen – Fahrradschutzstreifen. Geht das nicht, werde die Strecke für den Radverkehr gesperrt.

    Ein Schutzstreifen ist keine Lösung

    Um es ganz klar zu sagen: In unseren Augen ist ein Fahrradschutzstreifen keine Fahrradinfrastruktur und auf stark befahrenen Strecken auch keine sinnvolle Radverkehrsführung. Es handelt sich um eine gemischt genutzte Fahrbahn, auf der mit gestrichelten Linien der Bereich gekennzeichnet ist, wo die Radfahrenden fahren sollen. Der Autoverkehr sollte diesen Streifen freilassen und nur im Bedarfsfall überfahren. Auf dem Schutzstreifen besteht ein absolutes Halteverbot. In der Zwischenzeit ist aber hinlänglich bekannt, dass solche Schutzstreifen für Radfahrende oft genau das Gegenteil von Schutz bewirken. Autofahrende erkennen darin eine eigenständige Fahrradspur und fahren knapp außerhalb dieser Spur. Untersuchungen zeigen, dass auf vielen Schutzstreifen der vorgeschriebene Überholabstand häufig unterschritten wird. Radfahrende werden damit eher gefährdet. Jeder Radfahrende kennt diese Situationen. Wer sich das aus der Nähe ansehen will, kann dieses WDR-Video anschauen.

    Der Vorschlag, den Radfahrstreifen auf der Oxfordstraße zu entfernen und durch einen Radschutzstreifen im Mischverkehr zu ersetzen, ist zu der bisher vorhandenen Radinfrastruktur kein Vergleich. Der Sicherheitsverlust gegenüber der bisherigen Situation wird gravierend sein. Wer würde seine 12-jährige Tochter hier entlangfahren lassen? Warum gefährdet man die Menschen, die jetzt versuchen, ihre Strecken mit dem Rad zurückzulegen? Wenn es den ersten größeren Unfall mit einem Radfahrenden gegeben haben wird, fürchtet OB Déus um seinen Kopf, wie er in der Ratssitzung erzählte. Viel direkter trifft es aber den Kopf des Radfahrenden, der oder die übersehen wurde oder die Situation nicht meistern konnte. Laut Straßenverkehrsgesetz geht die Sicherheit für die Verkehrsteilnehmer über die Leichtigkeit des Autoverkehrs. Diese Abwägung fordern wir von der Task Force und werden sie daran messen.

    Auf stark belasteten Straßen, zu denen sicher auch die Oxfordstraße gehört, ist damit zu rechnen, dass der Fahrrad-Schutzstreifen beständig überfahren wird. In der aktuellen Situation wird er außerdem oft durch den Stau zugestellt sein. Bei der geringen Straßenbreite ist dann dort kein Vorankommen für Radfahrende mehr. Aktuell kann man trotz Stau die Strecke sicher, zügig und durchgängig benutzen. Als Abschnitt auf der Veloroute 4 und Teil des überregionalen Radpendlernetzes geht es hier um eine Verbindung, die es möglich macht, die Innenstadt, andere Stadtteile und das Umland zügig zu erreichen. Das ist mit einem Fahrradschutzstreifen auf einer derart belasteten Straße nicht möglich. Die stark befahrene Strecke, die für den Radverkehr nach unserer Einschätzung alternativlos ist, würde nicht mehr zur Verfügung stehen. Der Radverkehr, der sich durch die Brückensperrung verdoppelt hat, wird an dieser Stelle heftig ausgebremst.

    Sind alle Alternativen bedacht?

    Was wäre die Alternative, um den Autoverkehr auf der Oxfordstraße flüssiger zu machen? Sind alle Alternativen bedacht, wie das Gesetz das fordert? Ich frage mich, ob man nicht den Querverkehr von der Kölnstraße durch die Wilhelmstraße und Kasernenstraße unterbinden muss, um Einfädelvorgänge auf der Oxfordstraße zu verringern und insbesondere den massenhaften U-Turn an der Ampel am Stadthaus (um dann Richtung Kennedybrücke weiterzufahren) zu verhindern. Häufig war diese Woche zu beobachten, dass dieser Wendeverkehr mit einer relativ kurzen Grünphase den Verkehr auf der Oxfordstraße blockiert. Oder was ist am Kreisel am Alten Friedhof zu ändern? Der Kreisel beschleunigt den Kreuzungsverkehr bei mäßiger Belastung. Gibt es aber an einer der abführenden Straßen Stau, staut der gesamte Kreisel zu und keine Richtung fließt mehr. Erst wenn alle milderen Formen der Einschränkung ausprobiert sind, darf man über eine so krasse Maßnahme, wie es der Wegfall der Radspur wäre, nachdenken.

    Jeder muss Nachteile in Kauf nehmen?

    Mehrfach wurde in der Ratssitzung auch darüber gesprochen, dass jede Verkehrsart in der aktuellen Situation Nachteile in Kauf nehmen muss. Ist das wirklich so? Ja und nein.

    ÖPNV, Rad- und Fußverkehr entlasten die Autofahrspuren. Dadurch, dass mehr Menschen diese platzsparenden Mobilitätsoptionen wählen, fahren weniger mit dem Auto. Die Rollen von MIV und den anderen Verkehren sind in diesem Fall nicht vergleichbar. Es liegt also keine Gerechtigkeit darin, dass man den entlastenden Verkehr einschränkt, weil der Autoverkehr aktuell eingeschränkt ist.

    Und trotzdem müssen Lösungen gefunden werden. Geringe Einschränkungen für den entlastenden Verkehr, die einen deutlich höheren Nutzen für den belasteten Verkehr bedeuten, können Sinn machen. Wenn Fußgängerinen und Fußgänger im Bereich Bertha-von-Suttner-Platz nur drei statt vier ampelgeregelte Übergänge haben, um dadurch den Linksabbieger aus der Kölnstraße zu stärken, macht das wahrscheinlich Sinn. Die Ableitung des Radverkehrs von der St.Augustiner-Straße auf den Bröltalbahnweg, um eine eigenständige Spur für die Bahnen zu erhalten, bedeutet einen vertretbaren Umweg für Radfahrende bei einem großen Vorteil für den ÖPNV. Die Nachteil-Nutzen-Bilanz bei der Oxfordstraße und der Adenauerallee sieht aber ganz anders aus. Eine zusätzliche Autofahrspur auf Teilstrecken wird die Leistungsfähigkeit der Gesamtstrecke durch die Stadt, die oft nur einspurig möglich ist, kaum erhöhen. 

    Die Mitglieder der Task Force werden das angeblich alles abwägen. Sie müssen Maßnahmen in Trial-and-Error-Verfahren ausprobieren, da die Situation komplex ist, schnelle Lösungen gebraucht werden und nicht alles im Vorhinein abwägbar ist. Das haben wir verstanden. Wie hoch ist aber die Wahrscheinlichkeit, dass die Oxfordstraße wieder den Radstreifen erhält, wenn sich durch die neue Aufteilung innerhalb von 2-4 Wochen kein besonders positiver Effekt einstellt. Wird die Verwaltung den Irrtum erkennen, wenn der Autoverkehr auf der Oxfordstraße weiterhin im  Stau steht und die Fläche wieder dem Radverkehr geben? Oder ist „Versuch und Irrtum“ nur eine Rhetorik, um Schnellschüsse in die Tat umzusetzen und neue Fakten zu schaffen? Wir werden es sehen.