Mit Befremden haben wir zur Kenntnis genommen, dass die Bonner Ratskooperation aus CDU, SPD und FDP darüber nachdenkt, die unter dem neuen Busbahnhof (ZOB) vorgesehene Fahrradgarage aus den Planungen zu streichen. Als Gründe werden anscheinend vor allem die Kosten angeführt. Wer die tagtäglich rund um den Hbf an allen vorhandenen Laternen, Geländern und Straßenschildern angeketteten Fahrräder sieht, kann über diesen Rückschritt eigentlich nur den Kopf schütteln – insbesondere da andere Städte zeigen, wie man auch die Kosten durch Nutzung von Förderprogrammen in den Griff bekommen kann.
Erneute Umplanung führt zu erneuten Verzögerungen
Im Mai 2025 hat der Stadtrat die Weichen für den Abschluss der Planung des neuen ZOB beschlossen. Wir berichteten bereits im Februar 2024 ausführlich über den Stand der Planungen.

Der aktuelle Bonner ZOB stammt aus dem Jahr 1973 – und so sieht er auch aus. Ein angenehmes und repräsentatives Eingangstor in die City ist er keinesfalls. Fehlende Überdachung, fehlende Barrierefreiheit, viel zu schmale Bussteige, gefährliche Wege für Fußgänger – dass der Bonner ZOB dringend neugebaut werden muss ist wohl unstrittig.
Da stellt sich schon die Frage, warum die Ratskooperation nun die gefassten Pläne noch mal aufschnüren und abändern möchte. Neben dem Rauswurf der Fahrradgarage wird auch über weitere Dinge wie Führung des Radverkehrs, mögliche Durchleitung von Autoverkehr usw. nachgedacht.
Eine erneute Umplanung inklusive erneuter politischer Beratung wird den Bau um Jahre nach hinten schieben. Das kann nicht im Sinne der Bonner sein.
Zu wenige geplante Radstellplätze am Bonner Hbf
Uns als Radentscheid interessiert natürlich insbesondere die geplante Fahrradgarage. Sie ist eine von zwei im Umfeld des Hauptbahnhofs geplanten Garagen. Die andere soll hinter dem Bahnhof im Neubau des Parkhauses Quantiusstraße entstehen. Aktuell gibt es rund um den Hbf lediglich im Parkhaus Rabinstraße eine kleine Anzahl Radstellplätze. (Die Radstation in der Quantiusstraße mit 360 Stellplätzen zähle ich nicht mit, da sie weitestgehend von Dauerparkern belegt ist.)
Mit Platz für ca. 420 Fahrräder unter dem ZOB und ca. 780 Fahrrädern im Parkhaus Quantiusstraße stünden gemeinsam mit den vorhandenen 180 Stellplätzen im Parkhaus Rabinstraße dann künftig ca. 1380 sichere, trockene Fahrradstellplätze zur Verfügung.
Das mag erst mal viel klingen. Man sollte sich aber bewusst machen, dass es in der Bonner City aktuell fast keine sicheren, trockenen Abstellmöglichkeiten für Fahrräder gibt. Hingegen gibt es ca. 4.500 PKW-Stellplätze in den City-Tiefgaragen. Auch mit Neubau Quantiusstraße und ZOB bleiben die Parkmöglichkeiten für den Radverkehr weit dahinter zurück.
Auch lohnt sich ein Blick in andere Städte:
| Stadt | Einwohner | Stellplätze in Radgarage am Bahnhof |
| Tübingen | 92.000 | 1.400 |
| Maastricht | 126.000 | 3.000 |
| Mainz | 225.000 | 1.000 |
| Hennef | 48.000 | knapp 400 |
| Ulm | 130.000 | 500 |
| Münster | 308.000 | 3.300 |
| Osnabrück | 166.000 | 2.300 |
Bonn hat 323.000 Einwohner und ist damit größer als alle genannten Städte. Am nächsten dran liegt Münster, das mit 3.300 Stellplätzen am Hbf mehr als doppelt so viele hat wie Bonn mit Neubau Quantiusstraße und ZOB.

Die Planungen für Fahrradgaragen in Bonn sind nicht abwegig oder überdimensioniert. In anderen Städten zeigt sich der Bedarf. Bonn hat einen vergleichsweise hohen Radverkehrsanteil von 20%. Die aktuell überall um den Hbf verteilten Fahrräder zeigen den Bedarf deutlich.
Fällt die geplante Fahrradgarage unter dem ZOB weg, werden auch künftig nur 960 sichere Radstellplätze rund um den Bonner Hbf existieren. Das ist für eine Stadt der Größe Bonns mit weiter steigendem Radverkehrsanteil einfach zu wenig.
Förderprogramme zur Finanzierung nutzen
Aus dem Artikel im Bonner Generalanzeiger werden als Hauptargument gegen die geplante Fahrradgarage die Kosten genannt. Auch hier lohnt ein Blick in andere Städte.
Nicht weit von Bonn weg in Hennef entsteht gerade eine Fahrradgarage für ca. 4 Millionen Euro, von denen 90% vom Bund gefördert werden. Hennef hat hier das Förderprogramm „Fahrradparkhäuser an Bahnhöfen“ des Bundesverkehrsministeriums genutzt. Diese Tabelle zeigt, dass aus diesem Programm in mehreren Städten Fahrradgaragen mit Millionenbeträgen gefördert werden.
In Bedburg ist erst kürzlich eine neue Fahrradgarage am Bahnhof eröffnet worden. Dort wurden durch eine Förderung von go.rheinland 90% der Kosten gedeckt. In Osnabrück hat man für den Bau einer Fahrradgarage mit 2.300 Stellplätzen am Hbf immerhin eine Förderquote von 50% erreichen können.
Andere Städte zeigen wie es geht. Es gibt Förderprogramme. Man muss sie nur suchen und nutzen. Dass die Ratskooperation hier nun einfach ambitionslos die Fahrradgarage am ZOB mit Verweis auf die Kosten streichen will zeugt nicht gerade davon, dass dem Fahrrad als Verkehrsmittel in der Bonner Politik z.Zt. eine Wertschätzung entgegenkommt.
Bonn braucht Mut zur Verkehrswende – keinen Rückschritt
Der Neubau des ZOB und des Parkhauses Quantiusstraße sind die letzten Möglichkeiten, im direkten Umfeld des Bonner Hauptbahnhofs Platz für sicheres und trockenes Fahrradparken zu schaffen. Wir appellieren an die Politik, diese Chance nicht verstreichen zu lassen!
Der Anteil des Radverkehrs ist in Bonn in den letzten Jahren sprunghaft auf 20% angestiegen. Es ist zu erwarten, dass er weiter zunimmt. Damit wird das Fahrrad als platzsparendes Verkehrsmittel ein wichtiger Baustein in der Lösung der Bonner Verkehrsprobleme sein. Bauen wir die Infrastruktur, die dieser gewachsenen Bedeutung des Radverkehrs in unserer Stadt gerecht wird. Platz für ausreichend Fahrradparken am Bahnhof gehört – insbesondere für die Verzahnung von Rad- und Bahnverkehr – zwingend dazu.


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