Radspur auf der Oxfordstraße in Bonn

Konkrete Planungen der Stadt sind eine Katastrophe für den Radverkehr

Die konkreten Planungen für Oxfordstraße und Adenauerallee sehen weitreichende Einschränkungen für den Radverkehr vor. Das ist eine katastrophale Maßnahme. Der nun angekündigte Test, einen Linksabbieger zu sperren und so zumindest einen Radschutzstreifen einrichten zu können, entlarvt das antiquierte Verständnis der Stadtverwaltung von Verkehrsplanung.

Nach dem viel kritisierten Ratsbeschluss, der der Stadtverwaltung einen Freifahrtschein für die Abschaffung des Radverkehrs auf Oxfordstraße und Adenauerallee ausstellte, hat die Stadt letzte Woche Planungen vorgestellt, wie das konkret aussehen soll.

Kurzfassung: Die schlimmsten Befürchtungen werden wahr. Der Radverkehr wird auf Teilen der Adenauerallee und der Oxfordstraße schlicht verboten, um Platz für mehr im Stau stehende Autos zu machen. Wo der Radverkehr nicht verboten wird, wird er auf einem „Schutzstreifen“ geführt, d.h. unsicher mit im Autoverkehr. Auch die Umweltspur auf der Oxfordstraße vor dem Stadthaus (Fahrtrichtung Bornheimer Straße) entfällt, so dass dort künftig mehrere Buslinien im Stau stehen.

Das ist rein autozentrierte Verkehrspolitik aus den Siebzigern.

Auto und Fahrrad auf Adenauerallee
So unsicher wie hier früher auf der Adenauerallee soll der Radverkehr künftig sowohl auf der Oxfordstraße wie auch auf der Adenauerallee geführt werden – zumindest dort, wo er nicht komplett verboten wird. Auf der Oxfordstraße wird allerdings noch deutlich weniger Platz für Auto und Fahrrad nebeneinander sein als hier auf dem Foto.

Radwege dürfen nur existieren wenn Autoverkehr keine Einschränkungen erfährt

Heute teilt die Stadt nun mit, dass sie die Sperrung für Radfahrer auf der Oxfordstraße überdenken möchte: Um doch einen Schutzstreifen für Radfahrer anlegen zu können – also eine unsichere Führung mitten durch den zweispurigen Autostau – wird die Stadt den Linksabbieger von der Oxford- in die Wilhelmstraße testweise sperren.

Natürlich ist ein Schutzstreifen besser als eine komplette Sperrung. Bisher existiert dort allerdings ein vom Autoverkehr getrennter Radweg. Auch die neue Idee stellt also eine deutliche Verschlechterung zum bisherigen Zustand dar. Der Radverkehr wird mehr gefährdet – insbesondere mit Blick auf den stark angestiegenen Autoverkehr.

Interessant an der Pressemeldung ist die Argumentation: Der Linksabbieger für den Autoverkehr wird testweise gesperrt, um auszuprobieren, ob diese Einschränkung für den Autoverkehr „verkehrlich vertretbar“ ist. Nur wenn dies der Fall ist, zieht die Stadt in Betracht, den Abschnitt für den Radverkehr nicht komplett zu sperren.

Diese Argumentation ist entlarvend. Hier zeigt sich ganz klar, dass für die Stadt Bonn der Radverkehr nur eine nachgelagerte Bedeutung hat. Es geht zu allererst nur um den Autoverkehr und nur wenn dieser nicht beeinträchtigt wird, kann über Radinfrastruktur überhaupt nachgedacht werden. Wo ist denn der Test, ob die Sperrung der Oxfordstraße für den Radverkehr „verkehrlich vertretbar“ ist? Ach so, da geht’s nicht um Autos – ja dann…

Es ist schön, dass die Verwaltung schrittweise von dem weitgehenden Ratsbeschluss zurückrudert, weil sie lernt, dass man bei den Verkehrsstärken auf der Oxfordstraße den Radverkehr nicht einfach aussperren kann. 3000 Radfahrer am Tag fahren nach neuesten Verkehrszählungen der Stadt täglich über die Oxfordstraße Richtung Bertha und Kennedybrücke. Diese Zahl zeigt deutlich, dass Radverkehr kein Randphänomen und damit kein nachrangiger Verkehr ist.

Kommentare

3 Kommentare zu „Konkrete Planungen der Stadt sind eine Katastrophe für den Radverkehr“

  1. Avatar von Christian
    Christian

    Wird der Radentscheid/ADFC kurzfristig mit Eilanträgen dagegen vorgehen ?
    Darüber hinaus sollte juristisch jedes Mittel ausgeschöpft werden, auf inhaltlich maximal breiter Grundlage (technokratisch, Radentscheid, umweltpolitisch..). Wie kann man das am besten unterstützen ? Z.B. mit Spenden geziehlt für diesen Zweck ? Macht es Sinn (parallel) als Privatperson zu klagen oder sich mit anderen zusammen zu tun ? Es ist schon klar, dass auch die Justiz Teil des autozentrierten Systems ist. Aber zumindest sollte man es versuchen. Wenn am (fast) heißesten Junitag seit Beginn der Wetteraufzeichnungen über 500 Leute kommen, gibt es ja schon ein Mobilisierungspotential.

  2. Avatar von Cornelius
    Cornelius

    Es ist wirklich traurig. Schön wie im Antrag noch von „temporären Maßnahmen“ die Rede war und die SPD natürlich versprochen hat, dass es keinen Verkehrspolitischen Rollback geben soll. Auf der Adenauerallee ist nichts temporär. Wenn der Gehweg erst mal verschoben und der Schutzstreifen markiert ist wird das auch so bleiben. Genau das ist ja was sich der OB (und wahrscheinlich auch teile der Verwaltung) schon lange auf der Adenauerallee vorgestellt haben.

    Eine Prüfung, ob die Maßnahmen effektiv sind und überhaupt notwendig gibts natürlich auch nicht, obwohl im Antrag vorgesehen.

  3. Avatar von Sebastian
    Sebastian

    Schön zu sehen, daß es in D mit dem Land so toll voran geht. Rückschritt ist der neue Fortschritt.
    Vielen Dank an die Regierungspartei für diese tollen richtungsweisenden Vorschläge.
    Und jetzt auf Deutsch: Wer hat denen denn bitte ins Hirn gesch…? Gibts da Bestechung seitens der Autolobby?
    Wer denn bitte der auch nur einen Funken Verstand hat nimmt denn bei drohendem Stau auch noch die Busspur weg? Es ist doch nur logisch, daß, wenn der ÖPNV Vorrang hat, möglicherweise sich der ein oder andere Stausteher überlegt denn doch mit dem Bus zu fahren, ergo weniger Auto im Stau, weniger Stau für alle…. und das Rad ist ebenfalls eine Konsequenz zu weniger statt mehr Stau.
    Aber wenn ich mir diese Politik so ansehe denke ich mir immer öfter: Als Gott (nein, nicht unser OB!) Hirn hat regnen lassen, hat die CDU kollektiv und schnell die Schirme aufgespannt…

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