Ride of Silence gedenkt Verkehrstoten und -verletzten in Bonn

Rund 60 Radler*innen in weiß gedachten den Opfern und setzten ein starkes Zeichen für mehr Sicherheit im Verkehrs

Am weltweiten Aktionstag zum Ride of Silence am 20. Mai fuhren in weiß gekleidete Menschen durch Bonn, um an die im Straßenverkehr getöteten und verletzten Radfahrer*innen in Bonn und den Kreisen Rhein-Sieg und Euskirchen zu erinnern. Sie fuhren schweigend durch die Stadt und gedachten an drei Unfallorten den Getöteten.

Zehn Radfahrer sind 2025 in der Region im Verkehr ums Leben gekommen. Das ist die höchste Zahl seit zehn Jahren. Auch wenn meistens Autofahrer*innen mitbeteiligt war, gingen drei Todesopfer auf Alleinunfälle zurück. In Bonn geriet zum Beispiel ein Senior in die Straßenbahnschienen und zog sich beim Sturz tödliche Kopfverletzungen zu.

Vom Münsterplatz ging es für die 60 Teilnehmenden, von denen die meisten weiße Kleidung trugen und Fahnen und Bänder an ihren Rädern befestigt hatten, schweigend über die Kennedybrücke zur Kreuzung Pützchens Chaussee/Siegburger Straße in Beuel. Dort wurde 2023 ein 42-jähriger Radfahrer von einem abbiegenden Lkw getötet. Die Kreuzung ist heute, fast drei Jahre später, immer noch genauso gefährlich wie damals. Trotz dieses tödlichen Unfalls fand bis heute keinerlei Sicherung dieser vielfrequentierten Kreuzung statt.

Die Teilnehmenden konnten während des Gedenkens mit eigenen Augen beobachten, wie ein Autofahrer die Vorfahrt eines Radfahrers missachtete – genau so ein Manöver wie das von 2023, das den Mann das Leben kostete. Diesmal konnte der Radfahrer rechtzeitig bremsen. Bessere Infrastruktur, die solches Fehlverhalten unterbindet, ist kein Wunschtraum, sondern existiert. Sie muss dringend flächendeckend gebaut werden.

Von Beuel aus ging es quer durch die Innenstadt zur Vorgebirgsstraße, auf der im November 2025 ein Radfahrer von einem überholenden Auto erfasst und dabei getötet wurde. Der so genannte Schutzstreifen, den es auf dieser Straße gibt, hat hier in seiner Funktion versagt.

Die letzte Station an der Endenicher Sebastianstraße/Ecke Flodelingsweg war für viele der Anwesenden besonders emotional. Im September vergangenen Jahres wurde dort eine 52-Jährige von einem abbiegenden Linienbus, der ihr die Vorfahrt nahm, erfasst und starb wenige Tage später im Krankenhaus. Angehörige der Verstorbenen teilten einige Worte mit den Teilnehmenden und beschrieben dabei eine lebensfrohe, aktive Frau, die mitten aus dem Leben gerissen wurde und seither schmerzlich vermisst wird. Weiterhin in andächtiger Stille führte die Strecke über Reuterstraße und Adenauerallee zurück ins Zentrum, wo die Fahrt endete.

Der Ride of Silence war keine reine Demonstration, sondern eine Geste der Trauer und der Solidarität. Und doch war die Botschaft deutlich: Infrastruktur rettet Leben. Wer auf dem Fahrrad stirbt, stirbt nicht einfach so, sondern oft an Stellen, an denen sichere Radwege, konsequente Geschwindigkeitskontrollen oder Tempolimits den Unterschied hätten machen können. Die weißen Bänder und Fähnchen im Fahrtwind erinnerten daran, dass hinter jeder Statistik ein Mensch steckt, dessen Tod hätte vermieden werden können.

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