Schlagwort: lebenswerte Stadt

  • Entspannter fahren auf der Adenauerallee

    Entspannter fahren auf der Adenauerallee

    Vor wenigen Tagen hat die Stadt Bonn mit einer Pressemeldung verkündet, dass die Markierungsarbeiten auf der Adenauerallee abgeschlossen seien. Auch der Generalanzeiger berichtete. Nächster Schritt nach der Markierung ist nun ein einjähriger Verkehrsversuch, in dem die Leistungsfähigkeit und Verkehrssicherheit der neuen Straßenaufteilung getestet werden sollen.

    Ich bin die neu markierte Adenauerallee zum ersten Mal mit dem Rad abgefahren und möchte hier ein paar Eindrücke teilen.

    Adenauerallee ist FAST fertig

    Vorweg: Was wir aktuell an der Adenauerallee sehen ist nicht das fertige Ergebnis. Es fehlen noch zwei Dinge:

    1. auf einem Abschnitt in der Nähe der Arndtstraße befindet sich aktuell eine Baustelle auf einem angrenzenden Grundstück, die Teile der Straße einnimmt. Daher findet sich in diesem Abschnitt eine gelbe Baustellenmarkierung mit veränderten Spurbreiten. Auf diesem Abschnitt hat auch die Sanierung der Fahrbahndecke noch gar nicht stattgefunden.
    2. Es ist zwar nun ein vom Autoverkehr separierter Radweg markiert, allerdings fehlen die Protektionselemente, die den Radweg zu einer Protected Bike Lane machen würden. Aktuell sind Auto- und Radverkehr lediglich durch einen weißen gemalten Strich auf der Straße voneinander getrennt. Die Protektionselemente sollen nach Abschluss des oben erwähnten Verkehrsversuchs folgen.

    Ein erster Eindruck des neu aufgeteilten Verkehrsraums an der Adenauerallee

    Erster Eindruck: Alles viel entspannter!

    Mein erster Eindruck ist ganz klar und eindeutig: Es ist alles deutlich entspannter. Ich kann mit dem Rad die Adenauerallee entlangfahren ohne ständig vom Autoverkehr deutlich zu eng überholt zu werden. Das senkt meinen Puls schon ganz erheblich. Es ist schwer in Worte zu fassen, was allein dieser Aspekt an zusätzlicher Sicherheit bedeutet. Allein dafür hat sich die neue Markierung mehr als gelohnt! Erstmals kann ich mir überhaupt vorstellen, dass nicht nur mutige Radler wie ich, sondern auch Kinder, Senioren und Menschen, denen Autoverkehr dicht neben ihrem Rad Angst macht, die Adenauerallee entlangradeln. Vor dem Umbau war das unvorstellbar – und auch praktisch nicht beobachtbar.

    Ich habe wirklich Fußgänger gesehen, die abseits einer Ampel die Adenauerallee überquert haben. In einer Großstadt wie Bonn so dicht am Stadtzentrum sollte eine solche Freiheit für Fußgänger selbstverständlich sein. Vor der Neumarkierung wirkte die Adenauerallee allerdings als Barriere für Fußgänger. Meine Beobachtung deutet darauf hin, dass dieses Barrieregefühl nun vielleicht weniger existiert – was schön wäre.

    Ladezonen überall

    Ein weiterer Eindruck: Es sind wirklich überall und alle paar Meter Ladezonen vorhanden. Ich kenne wirklich keine andere Straße in Bonn oder auch einer anderen Stadt, in der so viele Ladezonen so dicht hintereinander liegen. Meine persönliche Meinung: Noch mehr hätte man hier auf die Bedürfnisse der Wirtschaft nicht eingehen können.

    Ladezone an der Adenauerallee

    Was mir allerdings auffällt: Alle Ladezonen sind nur im Zeitraum von 16 bis 18 Uhr als Ladezonen ausgewiesen. So wie ich die Schilder interpretiere, können die Bereiche außerhalb dieses engen Zeitfensters als normale Parkplätze genutzt werden. Das irritiert mich ein wenig. Für die Anlieferung bei den anliegenden Einzelhändlern mag das eventuell genügen. Aber die Ladezonen sind ja z.B. auch für Paketzusteller und Handwerker da, die beide eher nicht in nur so einem engen Zeitfenster unterwegs sind. Für mich erscheint diese zeitliche Einschränkung der Ladezonen nicht sinnvoll. Mal schauen, wie sich die Nutzung entwickelt.

    Weitere Beobachtungen: Viel besser, aber nicht alles perfekt

    Ich finde den neuen Zustand der Adenauerallee einen Riesenfortschritt! Endlich existiert hier ein Miteinander unterschiedlicher Mobilitätsformen. Trotzdem möchte ich ein paar Punkte anmerken, die mir noch nicht so so gut gefallen.

    Da ist Zum Einen von Norden kommend der Abschnitt vor der Weberstraße, in dem der Radweg plötzlich einfach endet und in einer Auto-Rechtsabbiegerspur aufgeht. So schnell kann es wieder dahin sein mit der Sicherheit für Radfahrende. Schade, dass hier die Leichtigkeit des Autoverkehrs höher priorisiert wurde als die Sicherheit des Radverkehrs. Die überarbeitete StVO lässt hier doch eigentlich nun mehr Spielräume zu.

    Ein zweiter Kritikpunkt ist von Norden kommend der Abschnitt vor der Straße Am Hofgarten. Hier wird der Radverkehr mittig zwischen Auto-Geradeausverkehr und Auto-Abbiegespuren geführt. Im Verkehrswende-Jargon nennt man solch eine Gestaltung eine „Todesweiche“. Ja, der Radweg ist hier rot markiert, aber ein sicheres Fahrgefühl entsteht bei solch einer Gestaltung nicht. Es ist genau so eine Radverkehrsführung, die am Bertha-von-Suttner-Platz immer wieder von allen Seiten kritisiert wird. Wieso man so etwas hier nun neu markiert erschließt sich mir nicht.

    Ein letzter Kritikpunkt bezieht sich auf die bereits erwähnte noch fehlende Protection. Es war meine erste Fahrt auf der neuen Adenauerallee und gleich war der Radweg mal von einem Reisebus zugeparkt (siehe folgendes Bild). Protektionselemente hätten diesen Park-Stunt zumindest unwahrscheinlicher gemacht. Ich hoffe darauf, dass diese Elemente bald ergänzt werden.

    Fazit: Ein deutlich besseres Miteinander als vorher!

    Trotz dieser Kritikpunkte muss ich festhalten: Die neu aufgeteilte Adenauerallee ist im Vergleich zum Zustand davor ein Quantensprung in Sachen Verkehrssicherheit und lebenswerte Stadt! So dicht an der Innenstadt braucht es keine autobahnartigen mehrspurigen Straßen sondern öffentliche Räume, die ein Miteinander unterschiedlicher Mobilitätsformen fördern. Das ist auf der Adenauerallee nun endlich der Fall.

    Ich bin gespannt, wie die Bonner die neue Adenauerallee annehmen. Dass Beethovengymnasium, Uni-Bibliothek, Juridicum, Museum König und etliche Arbeitgeber nun endlich auch sicherer mit dem Rad erreichbar sind ist ein großer Gewinn. Hoffentlich kochen die Gemüter nun nach Fertigstellung endlich etwas herunter, so dass wir uns auch wieder anderen Verkehrsprojekten zuwenden können.

  • Bonn fair teilen!

    Bonn fair teilen!

    Was ist fair? Einen Schokoriegel in 2 gleiche Hälften teilen, zum Beispiel. Teilen sich vier Personen eine Pizza, bekommt jede*r ein Viertel. Auf dem Spielplatz muss man sich abwechseln, wenn es mehr Kinder gibt als Schaukeln oder Rutschen. In der Bahn überlassen wir unseren Sitzplatz einem Menschen mit Rollator.

    So weit so klar. Aber was ist eine fair aufgeteilte Stadt? Ein fair geteiltes und genutztes Bonn?
    Kann man eine Stadt überhaupt fair aufteilen? Was ist damit gemeint? Innerhalb  der Stadtgrenzen gibt es, grob vereinfacht, Gebäude und den Platz dazwischen. Uns geht es beim fair teilen nicht um die Gebäude, sondern um Straßen und Plätze, die für alle da sind – den öffentlichen Raum.

    Die Aufteilung des öffentlichen Raums bestimmt darüber, wie er genutzt werden kann und darf, und ist das Ergebnis demokratischer Abstimmungsprozesse. Wie eine Stadtgesellschaft den öffentlichen Raum nutzen und aufteilen will, ändert sich im Lauf der Zeit. Aus einer Straße kann Fußgängerzone werden (wie die Sternstraße), und wo vorher Wege und Straßen waren, kann eine Autobahn gebaut werden (wie die A562).

    Straßen und Plätze werden von den Menschen in einer Stadt ganz unterschiedlich genutzt. In der Bonner Fußgängerzone dürfen zu Fuß Gehende die volle Breite der Straße zum Flanieren nutzen, auf der Reuterstraße wäre das eher nicht zu empfehlen. Auf den Bonner Stadtautobahnen dürfen Autofahrende mit Tempo 100 fahren, in den Straßen der Südstadt nicht. Platz für spielende Kinder ist auf Spielplätzen, und vielleicht in Spielstraßen. Spazieren gehen kann man entspannt in der Rheinaue, in vielen Bonner Straßen ist es kaum möglich, zu zweit nebeneinander zu gehen. Radfahrende fühlen sich auf dem breiten Radweg in der Beueler Rheinaue sicher, aber nur mutige, erfahrene Radler*innen nutzen den Radstreifen am Bertha-von-Suttner-Platz.

    Ist die Aufteilung und Nutzung des öffentlichen Raums in Bonn, so wie wir es heute erleben, noch zeitgemäß und entspricht den Vorstellungen und Erwartungen der Bonnerinnen und Bonner? Ist Bonn für all die verschiedenen Nutzungsarten fair aufgeteilt?

    Um es vorweg zu nehmen: wir haben auf diese Frage keine abschließende Antwort. Aber wir haben noch mehr Fragen zur Aufteilung des öffentlichen Raums. Diese Fragen wollen wir hier veranschaulichen und damit zur Diskussion stellen. Wir möchten damit einen Impuls in der Debatte um verschiedene Vorschläge zur Änderung der Verkehrsführung in Bonn setzen, und freuen uns über Austausch

  • 60.000 Parkplätze und 459 Spielplätze ?

    60.000 Parkplätze und 459 Spielplätze ?

    Wer heute älter als 60 Jahre ist, kennt es noch, heutige Kinder nicht mehr. Spielen auf der Straße – und damit sind keine Spielstraßen gemeint und auch nicht, auf dem Gehweg mit Kreide zu malen. Wo Autos fahren oder parken, kann niemand spielen, Spazieren gehen, sich mit Nachbarn unterhalten oder die Abendsonne genießen. Was früher im wahrsten Wortsinn auf der Straße stattfand, musste in eigens dafür gewidmete Räume oder ins Private verlagert werden – oder ein Teil davon verschwand einfach (oder welches Kind kennt heute noch alle anderen Kinder aus der Straße?).

    Ein sehr großer Teil des öffentlichen Raums ist heute dem Auto gewidmet, für fahrende oder parkende Autos. Nur selten hinterfragen wir, ob es wirklich die optimale und von uns gewünschte Verwendung der öffentlichen Flächen ist. Ein Zeitreisender aus den 1950er Jahren würde sich wohl sehr darüber wundern, dass in vielen Wohnstraßen links und rechts die Autos so dicht parken, dass kaum eine Lücke bleibt.

    Das Erbe der autogerechten Stadtplanung prägt noch immer unsere Städte, auch Bonn. Die Stadtplanung fing ab den 1970er Jahren an, die Städte in Bereiche für Wohnen, Arbeiten, Einkaufen aufzuteilen. Für die Wege zwischen den Bereichen wurden Autos gebraucht, neue Straßen wurden gebaut und bestehende verbreitert. Die Anzahl der Autos stieg weiter und weiter, und wenn sie nicht fahren, müssen sie parken.

    Allein im öffentlichen Raum gibt es 60.000 Parkplätze. Stellflächen auf privaten Grundstücken, Garagen und Parkhäuser sind nicht mitgerechnet. Und trotzdem gibt es den sogenannten Parkdruck: Autofahrende beklagen die Schwierigkeiten der Parkplatzsuche. Wollen wir weiterhin so viel von dem Lebensraum in unseren Städten für parkende Autos reservieren? Ist es uns wichtiger, Autos zu parken als den Platz für unser Zusammenleben zu nutzen? Wir können es ändern, wir müssen es nur wollen.

    Quellen: Der Zielbeschluss zum ständischen Parkraumkonzept spricht von einem Bestand von ca. 60.000 Parkständen auf den Bonner Straßen. Natürlich sind alle nicht regelkonformen (Stichwort: gekipptes Parken) Abstellplätze nicht mitgezählt. Die Anzahl der Spielplätze haben wir im städtischen Spielplatzbedarfsplan gefunden.

  • 954 km Straßen, 49 km Fahrradstraßen ?

    954 km Straßen, 49 km Fahrradstraßen ?

    Weniger als 5% der Bonner Straßenkilometer sind Fahrradstraßen, auf denen Radfahrende Vorrang haben, Autos aber in der Regel auch fahren dürfen. Und knapp 5% werden es erst sein, wenn alle insgesamt 42 neuen Fahrradstraßen markiert sind, voraussichtlich im Sommer 2024.
    Natürlich dürfen Radfahrende auch auf den meisten anderen Bonner Straßen fahren, mit Ausnahme der Autobahnen. Allerdings sind die Bedingungen dort oft so, dass Menschen auf dem Rad gefährdet werden und unangenehmen Verkehrssituation ausgesetzt sind. Genau das hält Menschen davon ab, öfter oder auf bestimmten Strecken das Fahrrad statt das Auto zu nutzen. Paradoxerweise könnte es so manche Verkehrssituation entschärfen, wenn mehr Radfahrende unterwegs wären. Aus Studien ist bekannt, dass Autofahrende bei mehr Radverkehr vorsichtiger fahren, als wenn nur ab und zu ein Fahrrad vorbeikommt.

    Vor allem Kinder sind als ungeübte Verkehrsteilnehmende einem Risiko im Straßenverkehr ausgesetzt. Eine sichere Infrastruktur, die dieses Risiko minimiert, gibt es nur auf ganz wenigen Straßen. Ist Tempo 50 angemessen, wenn Kinder dadurch gefährdet werden?  Pädagogen und Forschende sprechen sich klar dafür aus, dass Kinder selbständig mobil sind und zum Beispiel den Weg zur Schule zu Fuß oder mit dem Fahrrad zurücklegen. Was ist es uns wert, dass Kinder auf dem Schulweg sicher sind? Wie viele Sekunden oder Minuten Verzögerung für den Autoverkehr ist angemessen, um einen sicheren Schulweg zu garantieren?
    Aber nicht nur für Kinder, sondern für uns alle gilt, dass Unfälle vermeidbar sind. Das zeigen Erfahrungen aus Städten wie Helsinki und Oslo, wo flächendeckend Tempo 30 im Stadtgebiet eingeführt wurde. In der Folge sanken die Zahlen verletzter und getöteter Menschen im Straßenverkehr insgesamt stark. Das stellt uns vor die Frage: Was ist wichtiger im Verkehr, Geschwindigkeit oder Sicherheit?

    Wenn Baustellen eingerichtet werden, sind Wege oft nicht mehr wie gewohnt nutzbar. Die Verkehrsführung wird geändert, oft sind davon Autofahrende, Radfahrende und Fußgänger*innen gleichzeitig betroffen. Wie kann eine faire Baustellenumleitung aussehen? In vielen Fällen gibt es keine Umleitung für den Fuß- und Radverkehr, oder es müssen lange Umwege in Kauf genommen werden. Wie viele Umwege sind Radfahrenden und Fußgänger*innen zuzumuten, damit der motorisierte Verkehr nicht behindert wird? Wer sollte die kürzesten Wege in einer Stadt haben?

    Quellen: Die Länge aller Straßen der Stadt Bonn haben wir der Webseite www.gefahrenstellen.de entnommen. Die Länge der Fahrradstraßen findet sich auf der entsprechenden Seite auf www.bonn.de

  • 330.000 Fußgänger, 320.000 Fahrräder, 175.000 Autos

    330.000 Fußgänger, 320.000 Fahrräder, 175.000 Autos

    In Bonn wohnen gut 330.000 Menschen. Wie sieht eine faire Aufteilung und Nutzung des öffentlichen Raums für sie aus? Für welches Verkehrsmittel und welche Nutzungsart soll ein kleiner oder großer Teil des Raums reserviert werden?
    Vielleicht für die Fußgänger*innen? Schließlich bedeuten 330.000 Einwohnende, dass es auch 330.000 davon gibt – den meisten Platz für die größte Gruppe? Das hieße Vorfahrt für freie Gehwege, längere Grünphasen für den Fußverkehr und sichere, barrierefreie Überquerungsmöglichkeiten.

    Oder für die Gruppe, die dem höchsten Risiko im Straßenverkehr ausgesetzt ist? Dann wäre es nur folgerichtig, zum Schutz von Kindern, Jugendlichen und älteren Menschen mehr Spiel- und Sportplätze, Fahrrad- und Spielstraßen einzurichten, flächendeckend Tempo 30 einzuführen und Sichtachsen an Kreuzungen zu verbessern – vor allem durch weniger parkende Autos.

    Oder vielleicht für die Gruppe mit den größten Fahrzeugen, die ja auch am meisten Platz benötigen? Das wären vermutlich diejenigen, die am liebsten mit Bus und Bahn unterwegs sind. Vorrang für Busse, mehr Umweltspuren, Priorität an Ampeln und kein motorisierter Verkehr auf Strecken mit Straßenbahnschienen wären die Folge einer solchen Option.

    Oder für diejenigen, die am meisten Lärm, Schadstoffe und Treibhausgase produzieren?  Klingt das nicht seltsam?

    Eine einfache Antwort darauf, wie der Raum in Bonn verteilt und genutzt werden sollte, haben auch wir nicht. Aber wir sind froh darüber, dass wir im Jahr 2024 mehr über die Auswirkungen von stadtplanerischen Entscheidungen wissen als in den 1960er und 70er Jahren, als die autogerechte Stadt als Ideal galt. Heute wissen wir, dass vierspurige Hauptstraßen zu einer Zunahme des motorisierten Verkehrs führen, aber ein Straßendesign, das Fuß- und Radverkehr mehr Raum verschafft, die Anzahl der Fußgänger*innen und Radfahrenden steigen lässt.

    Als Stadtgesellschaft sollten wir uns Fragen dazu stellen, ob die bisherige Aufteilung und Nutzung des öffentlichen Raums zukunftsgerecht ist und unseren Vorstellung von Fairness entspricht. Dazu gehören Fragen wie:
    Wie viel Platz wollen wir im Bonner Zentrum für Autos reservieren?
    Wie viele getötete und schwer verletzte Radfahrende und Fußgänger*innen darf es in Bonn pro Jahr geben?
    Dürfen Radfahrende durch die Friedrichstraße fahren, wenn andere dort in Ruhe schlendern wollen?
    Gelten unsere Regeln für alle? Rechtfertigt ein gefühlter Parkdruck die Verletzung von Regeln, wo geparkt werden darf und wo nicht?
    In welchen Straßen fühlen wir uns wohl?

    Lasst uns gemeinsam die Antworten auf diese Fragen finden.

    Quellen: Die Fußgänger haben wir aus den Zahlen der Stadt (Bonn in Zahlen) abgeleitet. Am 1. Januar 2023 waren 338.396 Bonner und Bonnerinnen gemeldet. Einige können noch nicht, die andern leider nicht mehr laufen. Daher haben wir das gerundet. Laut Statista gabt es 2023 84.000.000 Fahrräder in Deutschland. Das statistische Bundesamt meldet 84.607.000 Einwohner (Stand 1.9.23). Das ist fast ein Fahrrad je Einwohner. In Städten ist die Quote in der Regel sogar höher. Die Zahl der Autos haben wir der Meldung des Kraftfahrtbundesamtes aus dem Jahr 2023 entnommen.

  • 175.674 Autos und 29.800 Straßenbäume?

    175.674 Autos und 29.800 Straßenbäume?

    Unser Klima ändert sich, und das wird in Zukunft noch mehr Hitzeperioden mit sich bringen. Menschen in den Städten sind davon besonders betroffen, da sich durch Bausubstanz und enge Straßen Städte mehr aufheizen als der ländlich geprägte Raum. Autos tragen zu einer Verstärkung von Hitzewellen bei: sie heizen sich tagsüber schnell auf hohe Temperaturen auf und wirken dadurch als Wärmespeicher. Zweitens verhindern sie, dass sich nachts der Asphalt unter ihnen schnell abkühlt.

    Bäume entlang von Straßen dagegen haben einen positiven Effekt auf das Mikroklima:
    sie wirken kühlend durch ihre beschattende Wirkung und Verdunstungskühle. Straßen mit Bäumen und weniger geparkten Autos heizen sich weniger stark auf und kühlen schneller ab. Straßenbäume tragen dazu bei, die Hitzeperioden der Zukunft erträglicher zu machen und schützen die Gesundheit der Bonner Bürger*innen.

    Städteplaner*innen und Forschende fordern längst mehr Bäume und Grünflächen zum Schutz vor Hitze und Starkregen. Es gibt in Bonn fast sechsmal so viele Autos wie Straßenbäume. Angesichts der Zunahme von Hitzetagen in den kommenden Jahrzehnten ist dieses Verhältnis nicht mehr angemessen und sogar gesundheitsschädlich.

    Weitere Informationen zum Thema:
    https://www1.wdr.de/nachrichten/hitze-staedtebau-interview-100.html

    Quellen: Die Anzahl der Autos haben wir der Meldung des Kraftfahrzeugbundesamtes entnommen. Das Bonner Baumkonzept von 2023 spricht von fast 30.000 Straßenbäumen in Bonn.